Hartmut Esser verlässt das Werner-Jaeger-Gymnasium in Nettetal-Lobberich in die Rente

Lobberich : Herr Esser geht in den Ruhestand

Nach mehr als 13 Jahren verlässt Hartmut Esser das Werner-Jaeger-Gymnasium. Seinen Abschied feiert der 61-Jährige am Donnerstag, offiziell ist er ab dem 1. August nicht mehr Schulleiter. Sein Nachfolger steht schon bereit.

Das erste Mal betrat Hartmut Esser das Werner-Jaeger-Gymnasium quasi heimlich. Beim damaligen Tag der offenen Tür gab er sich als interessierter Vater aus, der eine weiterführende Schule für sein Kind besichtigt. Tatsächlich aber besuchte er die Einrichtung für sich selbst und entschied kurz danach: Das probiere ich aus. Inzwischen ist es fast 14 Jahre her, dass der heute 61-Jährige von der Bischöflichen Marienschule Mönchengladbach, wo er als Lehrer arbeitete, zum Gymnasium in Lobberich wechselte und dort zunächst den Posten des stellvertretenden Schulleiters, später den des Schulleiters übernahm. Nun verabschiedet sich der Oberstudiendirektor in den Ruhestand.

Esser stammt gebürtig aus Aachen. 1976 machte er Abitur – als Schüler des letzten Jahrgangs nach dem alten Modell, mit Latein und Altgriechisch als Abiturfächer. Danach wurde die reformierte Oberstufe mit Kursen eingeführt, wie es sie noch heute gibt. Esser belegte für einige Semester den Diplomstudiengang Physik. Dass er sich dann für das Lehramt entschied, sei ein Prozess gewesen, sagt er. Sein Referendariat absolvierte er in Wuppertal, 1986 legte er das zweite Staatsexamen ab. Mit seinen Fächern Mathematik und Physik würde jungen Lehrern heute der rote Teppich ausgerollt werden, sagt Esser: „Damals gab es gar nichts.“ Also bewarb er sich an rund 50 Privatschulen in der Region und begann seinen Dienst schließlich an der Bischöflichen Marienschule.

Im Februar 2006 wurde Esser am Werner-Jaeger-Gymnasium Stellvertreter von Elisabeth Ponzelar-Warter. Seine Frau, damals ebenfalls Lehrerin in Mönchengladbach und mit Ponzelar-Warter bekannt, hatte ihn darauf gebracht. Als die Lobbericher Schulleiterin sechs Jahre später in Rente ging, bewarb er sich auf ihren freigewordenen Posten und hatte Erfolg.

Bis vergangenes Jahr hat Esser noch unterrichtet, vier bis sechs Stunden in der Woche. „Ich mochte die Schulverwaltung immer, habe gerne Konzepte gemacht, und es gefiel mir, an der Schulentwicklung mitzuarbeiten“, sagt Esser. Die Unterrichtseinteilung – welcher Lehrer welche Klasse bekommt – sei für ihn „wie Sudoku, das mache ich gerne“, sagt der 61-Jährige. Bereut hat er nichts: „Für mich war das die richtige Waage.“

Ein großes Thema war für den Schulleiter die Umstellung auf G8 mit dem Doppeljahrgang 2013. „Da war G8 richtig am Qualmen“, sagt Esser. Er begrüßt es, dass das Werner-Jaeger-Gymnasium zu den Schulen gehört, die nun wieder zurück zu G9 wechseln. „Wir lassen den Schülern Zeit, um Denken zu lernen“, sagt der Schulleiter. Andere Herausforderungen waren beispielsweise die Inklusion und die Flüchtlinge. „Wegen der Flüchtlingskrise hatten wir zeitweise bis zu 20 Schüler, die kein Deutsch konnten“, sagt Esser. Wie viele andere Einrichtungen musste das Gymnasium dies irgendwie regeln – und laut Esser hat es das auch geschafft. „Viele der Schüler sind nach zwei Jahren zum Berufskolleg gewechselt, viele sind hier geblieben. Das haben wir gut hinbekommen“, sagt der 61-Jährige.

Am Donnerstag, 11. Juli, wird Esser offiziell verabschiedet (siehe Info-Kasten). Die Übergabe an seinen Nachfolger Andreas Kries soll in der ersten Ferienwoche erfolgen, aber wenn nach dem 1. August noch etwas sei, „kann er mich anrufen“, sagt Esser. Er geht mit einem lachenden und einem weinenden Auge. „Mit dem 31. Juli ist die Wichtigkeit weg, man verliert die Struktur und die Gespräche“, sagt er. Allerdings gebe er die Verantwortung, die er einst bewusst für die Schule mit ihren rund 900 Schülern übernommen hat, auch gerne wieder ab.

Esser und seine Frau wollen in Mönchengladbach bleiben. Sie haben vier Enkel und einen großen Garten – und der 61-Jährige möchte die Zeit nutzen, um sein Golfspiel zu intensivieren. Er sei tiefenentspannt, sagt Esser: „Ich lasse das mal auf mich zukommen.“

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