Nettetal: Hans Kohnen schaut dem Volk aufs Maul

Nettetal : Hans Kohnen schaut dem Volk aufs Maul

In seinem neuen Buch führt der Autor auf 370 Seiten über 3100 Redewendungen auf. Vor 80 Besuchern stellte er jetzt sein neues Werk im Haus Josten-Germes vor. Für den Autor bedeutet sein Sammelband vor allem Lebenserfahrung.

"Redewendungen, Bildhafte Ausdrücke und Sprichwörtliches in Niederrheinischer Mundart" hat Hans Kohnen zusammengetragen und in einem Buch zusammengefasst. Zur Vorstellung des Bandes, dessen Herausgeber der Verkehrs- und Verschönerungsverein (VVV) Hinsbeck ist, kamen etwa 80 Besucher ins Haus Josten-Germes. Auf 370 Seiten führt Kohnen rund 3100 Redewendungen auf. Die Zahl habe auch ihn überrascht, gestand er bei der Vorstellung.

Vera Kreß (links) gibt nach 14 Monaten aus familiären Gründen ihre Arbeit in den Dörkesstuben auf. Brigitte Hartwig folgt ihr nach. Foto: Franz-Heinrich Busch

Viele Sprüche haben ihm Hinsbecker Bürger mitgeteilt. Beschränkt hat er sich nicht auf niederheinische Sprüche und Wendungen. Denn zugezogene Bürger baten ihn, auch Redewendungen ihrer Heimat einzuflechten. Die halten sich allerdings in Grenzen. Viele Flüchtlinge und Vertriebene sind inzwischen gestorben oder so alt, dass sie Kohnen wenig mitteilen konnten. Was er übernommen hat, ist im Buch so kenntlich gemacht.

Für die musikalische Untermalung sorgte das "Hinsbecker Ärzte-Trio": Michael Pauw und das Ehepaar Walter und Susanne Frasch. In seiner Begrüßung zitierte VVV-Vorsitzender Peter Beyen Martin Luther: "Man muss dem Volk aufs Maul schauen." Genau so ging Hans Kohnen vor. Zahlreiche früher verfasste Hinsbecker Bücher stammen auch aus seiner Feder. Seit Jahren sammele er Sprüche mit der Mundart seiner Heimat, berichtete der Autor. Er berief sich — natürlich — auf Goethe: "Jede Region liebt ihren Dialekt." So sei es auch in Hinsbeck, allerdings sprächen immer weniger Bürger Plattdeutsch. Daher sei es wichtig, die Sprache in möglichst vielen Facetten zu dokumentieren und so zu erhalten. Er bedankte sich bei Erika Schmitz und Heinz Stenmans, die am Buch mitwirkten.

Georg Cornelissen vom Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte in Bonn eröffnete die Vorstellung. Erst Redewendungen machten eine Sprache lebendig, stellte er fest. Nach dem Wörterbuch von 2003 seien die Redewendungen die ideale Ergänzung. Auf seine lockere Art gab Cornelissen einige Sprichwörter zum besten.

"An en oot Huus on an en jonk Vramisch häste vüel de wirke" (An einem alten Haus und an einer jungen Frau hast du viel zu arbeiten) drückt aus, dass es kostspielig ist, ein altes Haus und eine junge Frau zu unterhalten. Der Spruch "Dä fängt et Huus möt et Daak an te baue" (Der beginnt den Hausbau mit dem Dach) umschreibt, dass jemand töricht vorgeht.

Großes Gelächter erntete Cornelissen mit einer deftigen Redewendung. Er hoffe, dass die Zuhörer über seinen Vortrag nicht so dächten, wie es die Redewendung sage: "Däm valen de Wöert ut de Mul, wi de Kou den Driit ute Vot" (Dem fallen die Wörter aus dem Mund, wie der Kuh der Mist aus dem Hintern). Zum Abschluss stand Hans Kohnen noch für Fragen zu seinem Buch Rede und Antwort. Mit seinen über 3100 Redewendungen, mit Übersetzung und Erläuterung, gebe seine Sammlung Lebenserfahrungen weiter. So etwa der Spruch "Seäs net dän Tok aaf, op däm dou sets!" (Säge nicht den Ast ab, auf dem du sitzt!).

Ergänzt wird der Sammelband durch Bauernregeln bezüglich des Wetters sowie, in Erinnerung an den in Hinsbeck geborenen Dr. Wilfried Feuser, der 30 Jahre an Universitäten in Nigeria lehrte, mit nigerianischen Redewendungen, beispielsweise "Nur die vorwitzige Ziege begrüßt die Hyäne". FRAGE DES TAGES

Das Buch ist in allen Nettetaler Buchläden sowie beim Autor zum Preis von 22 Euro erhältlich.

(heko)
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