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Hans Hubert Glock ist seit zehn Jahren Ortsvorsteher in Nettetal-Breyell

Ortsvorsteher in Breyell : Ein Breyeller für alle Fälle

Hans Hubert Glock ist seit zehn Jahren Ortsvorsteher in Breyell. Er versteht sich als Interessensvertreter aller Bürger. Derzeit ist er Karnevalsprinz in Nettetal.

. Keine ruhige Minute hat er im Café am Lambertimarkt in Breyell: „Hallo, Hubert!“, grüßt eine Dame vom Nachbartisch. „Ach, unser Karnevalsprinz“, winkt ein anderer Gast. Hans Hubert Glock grüßt freundlich zurück, bleibt gelassen, auch wenn sein Kaffee kalt zu werden droht, weil alle paar Minuten jemand an seinem Tisch stehen bleibt und plaudert. „Die Leute kennen mich halt. Ich bin Ortsvorsteher und zurzeit eben auch Nettetals Karnevalsprinz“, sagt Glock und greift zur Kaffeetasse. Doch zum Trinken kommt er nicht – sein Handy bimmelt.

„An manchen Tagen ist viel los, aber das ist in Ordnung“, meint der gefragte Mann und nippt endlich an seinem Kaffee. Er habe es sich schließlich vor zehn Jahren gut überlegt, als er sich zur Wahl als Ortsvorsteher stellte: „Dabei habe ich viel von meinen Vorgängern Hans Siemes und Inge von den Bruck gelernt“, sagt Glock bescheiden und schmunzelt: „Viele Breyeller meinten damals, ich sei doch nun Rentner und könne das gut machen.“ Dabei arbeite er noch nebenbei und engagiere sich beim TV Lobberich. So bleibe manchmal kaum Zeit für einen gemütlichen Abend. Urlaub, eine Kreuzfahrt etwa, müsse er gut planen, erklärt Glock, der mittlerweile 70 Jahre alt ist: „Aber das ist gut so. Ich mache das gern, und als Ortsvorsteher habe ich eine große Verantwortung.“

Bei dieser Verantwortung spielt seine CDU-Mitgliedschaft keine Rolle: „Wenn ich mich für die Menschen objektiv einsetzen will, dann muss ich überparteilich sein“, stellt er klar, legt dabei die rechte Hand auf den Tisch und nickt. Große Gesten macht er sonst kaum beim Erzählen, reckt sich schon mal, fährt sich mit der Linken übers streng gekämmt Haar, streift seine Weste glatt. Gerade hat er noch mit einer Breyellerin gescherzt, die an seinen Tisch kam.

Dann wird Glock ernst. „Zu mir als Ortsvorsteher kommen die Leute ja nicht aus Spaß, sondern weil sie Probleme haben, die ich für sie mit der Stadt klären soll“, erklärt Glock und nennt als Beispiel schadhaften Straßenbelag oder unliebsame Vorschriften für die Höhe von Gartenzäunen. Kuriose oder unsinnige Anliegen, über die er den Kopf schüttle, kennt Glock nicht: „Was den Leuten wichtig ist, das nehme ich ernst.“ Er hält inne und redet etwas lauter: „Die Breyeller sagen ja zu Recht: Du bist einer von uns, also kümmere dich bitte.“

Glock ist kein Ureinwohner im drittgrößten Stadtteil mit über 8000 Einwohnern: „Ich bin Ur-Nettetaler!“ Glock lächelt, er sei mit jedem Stadtteil irgendwie verbandelt – in Hinsbeck geboren, in Lobberich aufgewachsen, in Breyell seit 40 Jahren zuhause, in Kaldenkirchen hat er gearbeitet. Natürlich sei ihm Breyell ans Herz gewachsen, und als Ortsvorsteher setze er sich für Verbesserungen ein: „Die Fußgängerzone ist mein Sorgenkind. Als ich da mal sah, dass jemand mit Rollator über die holprigen Steine stürzte, wurde ich sofort bei der Verwaltung und im Bauhof vorstellig.“

Sorgen bereiten ihm die Problemzonen wie das seit Jahren brach liegende Ascotec-Firmengelände oder Speckerfeld. Dort leben besonders viele Migranten: „Viele bleiben da unter sich. Die kennen mich nicht, also gehe ich dahin, wenn zum Beispiel das Bürgerbüro dort ein Kinderfest organisiert.“ Natürlich gebe es auch erfreuliche Entwicklungen in Breyell. Glock nennt den „schmucken, durch die Initiative von Bürgern sanierten Lambertiturm“ oder den „abends originell beleuchteten Marktplatz“.

Ein anderes „kleines Problemchen zu lösen“ wird der Ortsvorsteher allerdings anderen Nettetalern überlassen. „Als Ortsvorsteher vertrete ich den Bürgermeister bei besonderen Anlässen wie Jubiläen hier in Breyell. Ich bin mal gespannt, wie das geregelt wird, wenn meine Frau und ich Goldhochzeit feiern.“ Breyells Ortsvorsteher grinst: „Ich kann mir dann ja nicht offiziell selbst gratulieren, oder?“