Nettetal Hagel und Kamelle

Nettetal · Tausende Jecken feierten am Sonntag beim Tulpensonntagszug in Kaldenkirchen den Höhepunkt des Nettetaler Straßenkarnevals. 2300 Jecke waren mit 99 Wagen und Fußgruppen bei turbulentem Wetter unterwegs.

So schön war der Tulpensonntagszug in Kaldenkirchen
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So schön war der Tulpensonntagszug in Kaldenkirchen

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Pünktlich um 13.11 Uhr geht es los: Der Tulpensonntagszug startet in Richtung Innenstadt. Der erste Wagen, die Landjugend aus Boisheim, wird mit dreifachem Helau begrüßt. Zum Dank regnet es Kamelle.

Strahlender Sonnenschein — jeder spricht schon vom "Traumwetter" — begleitet den Zug. Doch kurze Zeit später überrascht ein Mix aus Hagel, Schnee und Regen die Jecken. Sie nehmen es mit Humor und feiern ausgelassen weiter. Das ist Straßenkarneval.

Aus Lautsprechern dröhnt bei jeder Gruppe eine andere Karnevalsmusik. Für Kenner ist kein Problem. Sie singen lauthals mit, schunkeln gemeinsam oder tanzen auf den Straßen. Die Weihnachtsmänner des Lobbericher Landjugend haben Winterschlaf gehalten. Sie verteilen mit Rauschebart und langem Mantel Bonbons, Schokoladen und Chips. Immer wieder gerät der Zug ins Stocken: Schneewittchen flirtet mit den sieben Zwergen, ein Erdmännchen fühlt sich im Kreise der Meerjungfrauen wohl und möchte gar nicht mehr in seine Fußgruppe zurück. Ein Clown aus der Menge verfolgt Gleichgesinnte, Clowns von Maria Helferin stellen sich fürs Foto in Pose.

Wehende Perücken

Traktoren ziehen aufwendig gestaltete Wagen. Dort bringen die Cowboys vom TV Lobberich aus dem Wilden Westen den Wagen "Lucky Luke" zum Beben. Die Struwwelpeter von "de molveren dei" müssen ihre Perücken festhalten, weil sie sonst weggeweht werden. Vom Himmel fallen dicke Hagelkörner, die zum Süßigkeitenfangen mitgebrachten Schirme dienen plötzlich in erster Linie als als Regenschutz.

Es fliegen Süßigkeiten, Gemüse und Obst durch die Luft. Besonders gefragt sind, wie in jedem Jahr, Fußbälle. Von der Schaager Karnevalsgesellschaft gibt es Krawatten. "Zurück in die 70er Jahre" geht es mit der Gruppe Hippie Yippie Yeah in Schlaghosen, großen Sonnenbrillen und bunten Stirnbändern.

Die Jäger (Brauter Pearsjecke) haben Plüschwild erlegt. Der Freundeskreis "Die lustigen Flaschen" haben ihren Wagen mit reichlich Zapfanlagen ausgestattet. So kommt kein Durst auf. Die kleinen Törtchen feiern Geburtstag. Ein Mädchen aus der Gruppe verzieht das Gesicht und sagt: "Mein Kostüm ist ganz nass, aber die Hälfte des Weges haben wir geschafft."

Mitziehende Musikgruppen spielen stimmungsvolle Karnevalslieder. Die Akteure werfen zwischendurch auch Kamelle unters Volk und begeistern die Menge. Tausende hat es aus dem gesamten Kreis Viersen nach Kaldenkirchen gezogen — alle wollen zusammen Karneval feiern.

Wagen Nummer 99 ist der Letzte in der langen Reihe, die für kurzweilige Unterhaltung am Straßenrand sorgte: Prinzessin Carina I. und Prinz Jürgen II. rufen kräftig "Helau" — sie sind noch bei Stimme — und bedanken sich beim Narrenvolk.

Kurz danach strömen die Jecken aus nah und fern zufrieden weg in alle Richtungen. Unmittelbar nach dem letzten Wagen beginnen die Müllabfuhr und der städtische Bauhof beginnt mit ihrer Arbeit. Sie beseitigen die Reste vom Tulpensonntagszug in Kaldenkirchen, während in Kneipen, Sälen und in eigens aufgestellten Zelten weitergefeiert wird. In drei Jahren sind die Kaldenkirchener erst wieder an der Reihe. Zuvor wird in Breyell und Lobberich durch die Straßen gezogen.

(sz)
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