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Nettetal: "Guter Honig ist Vertrauenssache"

Nettetal : "Guter Honig ist Vertrauenssache"

Die Ernte der Nettetaler Imker fiel in diesem Jahr eher dürftig aus. Pestizide und Milbenbefall setzen den Bienen zu.

Das Bienenjahr ist vorbei. Sinkt das Thermometer unter 16 Grad, schwärmen sie nicht mehr aus. Reiner von der Bank wintert seine 18 Bienenvölker deshalb in diesen Tagen ein. Ihm bleibt dabei nichts anderes übrig, als zu hoffen, dass sich auch im Januar noch recht viel Leben auf den Waben tummelt.

Das Bienensterben, das die Imker seit Jahren umtreibt, hat vielfältige Ursachen. "Das beschäftigt uns immer", sagt Heinz Ridder, Vorsitzender des Nettetaler Imkervereins, "aber im Vergleich zum Vorjahr hat es sich beruhigt. Wir wintern in diesem Jahr mehr Völker ein als noch 2011."140 Völker hat der Verein dieses Jahr, 110 waren es noch im vergangenen. Das liege aber auch daran, dass die Mitgliederzahl von 17 auf 23 angewachsen sei.

Mit der Ernte sind die Nettetaler Imker nicht ganz zufrieden. Die Bienen sind geschwächt. Seit gut 30 Jahren kämpfen die Imker mit der aus Indien eingeschleppten Varroa-Milbe. "Das gehört für mich mittlerweile zum Alltag", sagt Reiner von der Bank. Milbenfreie Bienenvölker gibt es praktisch nicht mehr. Der Parasit befällt die Larven der Honigbienen und saugt die Lymphen aus. Die Larven sterben entweder sofort oder kommen missgebildet auf die Welt. Den Königsweg im Milbenkampf gibt es noch nicht. Die Nettetaler Imker besprühen ihre Bienen mit Ameisensäure.

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"Das schädigt die Milben, aber auch die Bienen. Man braucht viel Fingerspitzengefühl", erklärt Ridder. "Aber wenn man gar nicht behandelt, dann ist jedes Bienenvolk in spätestens zwei Jahren hin", ist er sich sicher. Pestizide sind ein weiteres Problem. Sogenannte Neonicotinoide, wie sie als Beizmittel auf den Feldern eingesetzt werden, schädigen das Immunsystem der Tiere. In der Folge sind sie anfälliger für Krankheiten.

Das alles sind für Heinz Ridder und seine Imkerkollegen keine neuen Probleme. Aber insbesondere die älteren Kollegen wüssten nach wie vor nicht immer, wie damit umzugehen sei, sagt Ridder. Ein Problem, das auch der Deutsche Imkerbund durch weiterbildende Seminare zu lösen versucht. Ihren eigenen Honig verstehen die Nettetaler Imker als Spezialität.

Für den Verkauf haben sie sich nun mit dem Lebensmittelgeschäft von Christian Esch zusammengetan. Mit ihm hat die dafür neu gegründete Imkergemeinschaft Schwalm-Nette einen Kooperationsvertrag geschlossen. Ab morgen wird es in Eschs Geschäft ganzjährig einen Stand mit Honig der heimischen Imker geben. Jedes Glas trägt das sogenannte Gewehrverschluss-Etikett, das nur verwenden darf, wer vom deutschen Imkerbund zertifiziert wurde. Der überprüft die Qualität des Honigs in jährlichen Stichproben. Auf jedem Etikett können die Kunden Name, Adresse und Telefonnummer des verantwortlichen Imkers nachlesen.

"Guter Honig ist Vertrauenssache", sagt Reiner von der Bank. "Bei Industriehonig würden Hunderte Sorten aus aller Welt gemischt. Womit die Bienen in China und den USA behandelt werden, weiß kein Mensch."

(RP/rl)