Nettetal: Gut drauf mit Gymnastik und Geselligkeit

Nettetal: Gut drauf mit Gymnastik und Geselligkeit

Die vor 40 Jahren gegründete Gymnastik-Riege des TSV Kaldenkirchen erweist sich als Erfolgsmodell: Heute turnen jeden Mittwoch Frauen verschiedenen Alters zusammen. Manche sind seit fast vier Jahrzehnten aktiv

Wie wär's mit einem Handstand? Die Daumen lächeln und schütteln den Kopf. "Ich glaube, so etwas kriegt kaum eine von uns hin", meint Nadja Troche. Nein, bei der Kaldenkirchener Gymnastik-Riege gehe es nicht um akrobatisch anmutende Turnübungen, sondern um "Koordination und Fitness, um Kommunikation und Spaß", sagt Übungsleiterin Troche. Dieses Konzept des sportlichen Miteinanders hat sich bewährt - und das seit genau 40 Jahren. So lange besteht die TSV-Gymnastik-Riege bereits. Deren Mitglieder treffen sich an jedem Mittwoch in der Turnhalle an der Grenzwaldstraße. So auch an diesem Abend.

Die Tür zur Turnhalle steht offen, Teilnehmer der Rückenschule biegen und beugen sich, in der Luft liegt ein Mix von Gummi und Holz, von Kreide und Schweiß. In der Umkleide nebenan warten schon einige Turnerinnen darauf, dass die Halle frei wird. "Wir sind gern etwas früher hier, da kann man sich noch ein bisschen unterhalten", sagt Dorothea Peters (60). Geselligkeit gehöre schließlich auch zum gemeinsamen Turnen.

In der Runde ist Nadja Troche mit ihren 40 Jahren die Jüngste: "Im Schnitt sind die meisten von uns um die 60", erzählt Elfriede Vos, selbst 64 Jahre alt. Mehr als 30 Turnerinnen gehören der Riege an. Die Alterspanne reicht von unter 20 bis Mitte 70, rund 20 Frauen kommen mittwochs regelmäßig. "Für uns Ältere ist die Gymnastik ein wichtiger, fester Termin. Darum sind wir auch fitter als so manche der Jüngeren", meint Peters. Das ist kein Scherz, wie Troche bestätigt: "Je länger die Teilnehmer dabei sind und je älter sie werden, desto mehr spüren sie auch, was ihnen und ihrem Körper guttut." Da sei bei allem Spaß doch eine große Ernsthaftigkeit dabei. "Frauenpower eben", meint Dorothea Peters: "Männer scheinen sich damit schwerer zu tun." Und Troche ergänzt: "Gymnastik und Geselligkeit gleichzeitig - da sind Frauen einfach besser in Multitasking!"

Und das gehört zum sportlichen Programm beim Training: "Jedes Mal haben wir einen anderen Schwerpunkt: Mal arbeiten wir mit Bällen oder Schwingstäben, mal gibt es Balance-Übungen, mal geht es um Kondition beim Zirkeltraining", nennt die Übungsleiterin einige Beispiele. Turnen sei abwechslungsreich und vielfältig: "Und es kommt immer Neues dazu: mal Aerobic, dann Pilates, und fast Vergessenes wie Übungen mit Keulen tauchen mit einem Mal als Retro-Trend wieder auf." Spielerische Elemente haben dem Turnen einen neuen Reiz verliehen und zu größerer Attraktivität verholfen, weiß Ingrid Caelers (58): "Früher war mehr nüchternes Training gefragt." Mittlerweile zeugen Übungen mit Musik von Freude an Bewegung.

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Gründungsmitglieder vom März 1978 sind heute nicht mehr dabei. Und so gehört Ingrid Caelers "seit 38 Jahren und damit am längsten von allen zur Gymnastik-Riege", erzählt sie stolz. Fast genauso lange, 37 Jahre nämlich, ist Petra Stoll-Inderelst (56) dabei: "Und es macht immer noch Riesenspaß!"

Damals wie heute geht es den Turnfrauen nicht nur um den Sport: "Unsere Feiern und Fahrrad-Touren sind mindestens genauso wichtig", sagt Elfriede Vos. Zum 30-jährigen Bestehen 2008 gab's ein großes Fest und rote Turn-Shirts. Ähnliches zum 40-Jährigen ist nicht geplant: "Mit einen Zuschuss vom Verein werden wir unseren Fahrrad-Ausflug im Sommer ein bisschen aufpeppen und anschließend besonders nett feiern", kündigt Troche an.

Mittlerweile ist es 20 Uhr. Die Turnhalle hat sich geleert. Nun wird sie von der Gymnastik-Riege für eine Stunde in Beschlag genommen: "Heute arbeiten wir ein bisschen mit verschiedenen Medizinbällen, aber jede nur so, wie sie kann und mag", kündigt die Übungsleiterin an. Dann schließt sie die Tür vor neugierigen Blicken. Und die nächste Turnstunde beginnt.

(jobu)