1. NRW
  2. Städte
  3. Nettetal

Nettetal: Grundschulrektoren proben Aufstand

Nettetal : Grundschulrektoren proben Aufstand

Der Stadtrat beschloss den Entwicklungsplan für die Grundschulen gegen die Bedenken der Schulleiter. Nettetal entscheidet sich für das System ortsnaher Kleinschulen.

Der Stadtrat hat den Entwicklungsplan für die Grundschulen in der Stadt beschlossen. Danach bleiben alle neun Grundschulstandorte erhalten. Überschattet wurde der Beschluss von einer heftigen Kontroverse zwischen Politik und Verwaltung einerseits und den Leitern der Nettetaler Grundschulen andererseits in der vorausgehenden Sondersitzung des Schulausschusses. Die Schulleiter haben Bedenken, dass der Plan die Unterrichtsqualität an einigen Schulen erheblich beeinträchtigen könnte.

Seit acht Monaten beschäftigt die mittelfristige Zukunft der Grundschulen die Gremien in der Stadt sowie die Aufsichtsbehörden. Die Politik steht unter massivem Druck von Eltern, die am liebsten überhaupt keine Änderung sähen. Da die Schülerzahlen aber sinken, wurde ein Entwicklungsplan auf der Grundlage der Prognose für die kommenden Jahre aufgestellt. Er sei mit der unteren und oberen Schulaufsicht abgestimmt, berichtete Bürgermeister Christian Wagner anstelle des erkrankten Schuldezernenten Armin Schönfelder im Schulausschuss.

  • Kommentar : Formal kann man alles machen
  • Jüchener Grundschulen wurden mit 42 digitalen
    Smartboards angeschafft : Jüchener Grundschulen erhalten digitale Tafeln
  • Ein Schüler arbeitet in einer Grundschule
    Große Unterschiede im Stadtgebiet : Wie digital sind Remscheids Schulen?

Mit unterwartet scharfer Kritik reagierte der Fachberater für Grundschulen, Rektor Horst Gerlach, auf die Vorlage der Verwaltung. Er gebe mit seinem Statement die Meinung aller Grundschulleiter wider, die kurz vor der Sitzung die Vorlage diskutiert hatten. Die Rektoren werfen der Stadt vor, dass die Begrenzung der Katholischen Grundschule Kaldenkirchen im Verbund mit Leuth auf insgesamt zwei Züge "die Schule in Kaldenkirchen kaputt machen wird". Schon jetzt deute das laufende Anmeldeverhalten darauf hin, dass die KGS an der Jahnstraße Einbußen hinnehmen müsse. Grundsätzlich sei die Lehrerversorgung an kleinen Einheiten, wie die Stadt sie nun verfolge, ausgesprochen problematisch. "Je kleiner eine Schule wird, desto anfälliger ist sie gegen Unterrichtsausfall und Unterversorgung mit Fachunterricht", so Gerlach. In Leuth seien dieser Tage die vier Klassen von nur einer Lehrkraft betreut worden. Die Schulleiter erklärten sich solidarisch mit der KGS-Leiterin Kipp, die in ihrer Unerfahrenheit als Schulleiterin von der Nettetaler Verwaltung "über den Tisch gezogen" worden sei. Es sei ein einmaliger Vorgang, dass ein Schulträger Ergebnisse einer Schulkonferenz aus formalen Gründen angefochten habe. In Wahrheit habe der Stadt das Ergebnis nicht gepasst.

Bedenken erhob Gerlachs Vertreterin im Ausschuss, Anke Paukovic von der KGS Hinsbeck, wegen der Absicht, jahrgangsübergreifenden Unterricht für zweite und dritte Schuljahre in Leuth zu installieren. Das sei allein schon fragwürdig deswegen, weil im zweiten keine, im dritten Jahrgang Noten gegeben würden.

Gerlach warf der Verwaltung außerdem vor, sie habe der Grundschule in Hinsbeck "klammheimlich" einen Jahrgang gestrichen. Die Schule oder die Fachberatung sei darüber nicht informiert worden. Dies öffne Unsicherheiten Tür und Tor. Hinsbecker Kinder oder Kinder mit Behinderungen aus anderen Stadtteilen könnten abgewiesen werden. "Wir sehen Nettetal auf einem gefährlichen Weg. Das Gesamtkonzept ist pädagogisch und fachlich nicht akzeptabel", erklärte Gerlach für alle Grundschulrektoren in der Stadt.

Wagner, Schulausschuss-Vorsitzender Johannes Peters und Sprecher der Fraktionen wiesen die Vorwürfe zurück. Sie kämen viel zu spät, um jetzt noch berücksichtigt zu werden. Außerdem seien sie teilweise sehr polemisch. Die Fachsprecher und/oder Schulleiter hätten sich eher äußern müssen. "Das Ergebnis ist sicherlich nicht optimal, aber alternativlos", erklärte Jürgen Boyxen (CDU).

FRAGE DES TAGES

(RP)