Grünes Licht für Brata-Expansion in Nettetal

Neue Ansiedlung in Nettetal: Keine Bedenken gegen Millionen-Invest

Die Mitglieder des Rats stimmten in einer Sondersitzung der Offenlage des Bebauungsplans für das Gewerbegebiet in Breyell zu. Sie sahen – anders als Anwohner – keine Risiken. Stattdessen bewerteten sie das Vorhaben als Chance

Einstimmig hat der Stadtrat die formelle Offenlegung des Bebauungspanes Br 270 „Östlich Dülkener Straße“ (in Breyell zwischen Autobahn 61 und dem Gewerbegebiet Speckerfeld) beschlossen.

Die Mitglieder  nahmen die Bedenken und Anregungen, die bis hin zur Aufgabe des Planes reichten, zur Kenntnis, folgte ihnen aber nicht. Zu den Kritikern gehören die Mitglieder der „Interessengemeinschaft Lötsch“ (IGL). Einer der Kritikpunkte, die Manfred Mücke für die Eingabe formuliert hat, ist der zunehmende Lastwagen-Verkehr: Bis zu 80 Brummis sollen künftig zusätzlich über die Dülkener Straße von und zur Autobahn 61 rollen. Zudem befürchten die Einwohner ein risikoreicheres Fahren für Radfarer an der Kreuzung in Lötsch. Fußgänger und Radfahrer vom Gewerbegebiet Speckerfeld könnten nur unter erheblichem Risiko die Straße überqueren, denn der Radweg liegt auf der westlichen Seite. Betroffen seien Kinder aus der Lötscher Kita „Zwergenland“  und Mitarbeiter der Werkstatt des Heilpädagogischen Zentrums (HPZ) im Speckerfeld. Die Verwaltung teilte die Bedenken nicht – ebenso wenig wie die Ratsmitglieder.

Seit August 2017 ist bekannt, dass der Neusser Paniermehl-Hersteller Brata ein zweites Standbein in Breyell errichten will. Das Familienunternehmen will rund 30 Millionen Euro investieren, es benötigt mehr Platz und will weiter wachsen. „Bis zum Jahr 2020 soll der neue Betrieb in Nettetal in drei Stufen ausgebaut werden. Die erste Stufe soll 2020 abgeschlossen sein“, erläuterte der Verwaltungschef. Insgesamt könnten bei Brata in Breyell bis zu hundert neue Arbeitsplätze entstehen. Der Plan einer möglichen Ansiedlung des Paniermehlherstellers Brata aus Neuss wertete Marcus Optendrenk (CDU) als einen „deutlichen Schritt nach vorn“, der für Breyell eine „gute Entwicklung bei gewerblichen Arbeitsplätzen“ bringe. Nach Ansicht seiner Fraktion hätten die Einwendungen der Anlieger keine entscheidenden Argumente gebracht, die Planung zu ändern oder gar aufzugeben.

Belästigungen durch „eine wahrscheinlich etwas höhere Verkehrsbelastung“ könnten durch Tempobeschränkungen gemindert werden. Immerhin sei der Verkehr auf einer klassifizierten Landesstraße (früher gar Bundesstraße 7) besser aufgehoben als auf einem Nebenweg: „Wir gehen nicht in Wohnbereiche hinein.“

Die Frage von Hajo Siemes, dem Vorsitzenden der Fraktion „Wir in Nettetal“ (WIN), ob ein Kreisverkehr an der Kreuzung Dülkener Straße/Bergerfeld nicht besser sei als eine Ampel, beantwortete Stadtplaner Markus Grühn. Er verwies dabei auf die Ansicht der Fachbehörde Straßen.NRW, die an dieser Stelle für eine Ampel plädierte.

Zu Herzen nehmen will sich die Verwaltung eine bessere Klassifizierung der Honschaft Lötsch, die von ihr als „Splittersiedlung“ bezeichnet worden war. „Die Lötscher fühlen sich abgehängt“, so schilderte Siemes.die Stimmung. Auch Manfred Mücke hatte dies in seinem Schreiben thematisiert.

Wann der Plan offiziell offen gelegt wird, steht noch nicht fest. Sobald er offenliegt, können erneut Bedenken und Anregungen geltend gemacht werden. Bei der ersten Präsentation des Bebauungsplans Anfang Juni hatte es sich um eine „frühzeitige Bürgerbeteiligung“ gehandelt.

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