Nettetal: Grüne wollen bunte Gärten statt Schotter

Nettetal: Grüne wollen bunte Gärten statt Schotter

In den Nettetaler Vorgärten blüht es viel zu selten, findet die Grünen-Fraktion. Grau hat die Farben- und Pflanzenvielfalt abgelöst. Das will sie in den kommenden Jahren mit vielen kleinen Aktionen ändern. Das Projekt startet am 2. Juni

Für Fluginsekten sieht es nicht gut aus. Guido Gahlings zählt auf: "Von den 560 Arten in Deutschland sind 50 Prozent stark gefährdet, 33 Prozent vom Aussterben bedroht und 39 Arten bereits ausgestorben". Erst im Herbst hatte eine Langzeitstudie gezeigt: Die Populationen sind seit der Wende um drei Viertel geschrumpft. Der Vorsitzende der Nettetaler Grünen-Fraktion blickt ernst. Im fernen China zeigt sich die Entwicklung noch deutlicher. Auf Obstplantagen übernehmen dort bereits Menschen per Hand die Bestäubung der Blüten.

Trotzdem ist noch nicht alles verloren, sagt Gahlings: "Die Natur ist dynamisch, man muss ihr nur Platz geben." Dass dafür jeder Quadratmeter zählt, wollen die Grünen nun den Nettetalern zeigen. Die Fraktion hat sich den Rückgang der Artenvielfalt zum kommunalpolitischen Schwerpunkt gemacht und es sich zum Ziel gesetzt, die Bürger aufmerksamer zu machen. Für die kommenden Jahre plant sie Aktionen, die verdeutlichen sollen: Ein wilder Garten bedeutet nicht unbedingt mehr Arbeit als eine Schotterfläche.

Den Anfang wollen die Grünen am Samstag, 2. Juni, an der Ludbach-Passage in Lobberich machen. Dort informieren sie an einem Stand über ihr Anliegen und darüber, was ihrer Meinung nach jeder einzelne tun kann, um die Natur zu unterstützen. Denn: "Wir erleben in Nettetal und im Kreis Viersen den Trend, dass viele Menschen ihren Vorgarten lieber mit Schotter füllen, als dort bunte Vielfalt wachsen zu lassen", sagt Gahlings. Das sei auch optisch nicht ansprechend.

Die Gründe dafür seien zwar nachvollziehbar: "Die Menschen wollen wenig Zeit investieren, der Rücken oder die Knie lassen es nicht mehr zu, dass man sich problemlos bei der Gartenarbeit bewegt oder sie wollen, dass alles immer ordentlich aussieht." Dabei sei das kurzfristig gedacht. "Innerhalb weniger Jahre sieht auch der Steingarten nicht mehr gepflegt aus", sagt Gahlings. Gräser, Humus, Flechten und Algen - all das zwänge sich irgendwann zwischen den Steinen hindurch und müsse mühsam mit der Hand aus der Erde gezogen werden.

  • Heinz Tüffers, Leiter des Nabu-
Naturschutzhofes,
    Anfrage der Grünen : In Nettetal blüht es

Für ihren Plan will die Fraktion nicht nur unter sich bleiben, sagt Grünen-Ratsmitglied Erhard Scholz. Geplant ist unter anderem, ein Netzwerk zu gründen, sich wie Kevelaer an der "Leader"-Aktion "Das bunte Band - Blühendes Straßenbegleitgrün" zu beteiligen und den neuen "Leader"-Berater für die Steigerung der Biodiversitätsmaßnahmen auf landwirtschaftlichen Flächen in den Umweltausschuss einzuladen. Daneben haben sich die Grünen Garten- und Landschaftsbauer ins Boot geholt, die mit Beispielen über die mögliche Gestaltung von Grünflächen informieren. "Es sind kleine Bausteine", sagt Gahlings. "Aber wir wollen das Thema auf ganz vielen Ebenen in den Blick rücken." Nächstes Jahr soll es einen Foto-Wettbewerb geben, in zwei Jahren sei ein Entsiegelungswettbewerb möglich. "Das bedeutet, dass zum Beispiel jeder, der seinen Garten von grau zu grün umwidmet, eine Prämie erhält", erklärt Gahlings.

Die Grünen selbst haben einst die Patenschaft für die Verkehrsinsel am Lambertiturm in Breyell übernommen. Darauf wachsen Storchschnabel, Lavendel, Zwiebelpflanzen sowie Gräser und Sträucher. "Vom Frühling bis zum Herbst blüht es, im Winter ist es immer noch ein Blickfang, und der Aufwand für uns ist überschaubar", sagt der Grünen-Fraktionsvorsitzende.

Um dem Insektensterben entgegenzutreten, müsse aber auch die Landwirtschaft ändern, sagt Scholz. Gahlings ergänzt: "Die Europäische Union könnte Landwirte als Landschaftspfleger honorieren, etwa mit Naturschutzprämien." Doch auch die Stadt müsse sich Gedanken machen. "In den Gestaltungssatzungen für jedes Haus steht, dass 50 Prozent der Gartenfläche naturnah anzulegen ist. Das wird aber nicht gemacht", sagt Gahlings. "Wir müssen entscheiden, wie wir als Stadt damit umgehen."

(RP)