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Nettetal: Größter Schaden im Kreis?

Nettetal : Größter Schaden im Kreis?

Die Ausdehnung des Chlorkohlenwasserstoffs im Grundwasser im Raum Schaag übertrifft vermutlich alle anderen Schadensfälle im Kreis Viersen. Die Kreisverwaltung sieht sich heute erst am Anfang eines jahrelangen Verfahrens.

Der LCKW-Schaden im Grundwasser von Schaag ist in seiner räumlichen Ausdehnung vermutlich der größte im Kreisgebiet überhaupt. Dies berichtete gestern Rainer Röder von der unteren Wasserbehörde. "Die Ausläufer reichen etwa drei Kilometer nach Norden, eine so große Ausdehnung gibt es bisher nirgends", sagte er.

Am vergangenen Freitag hatte der Kreis die Warnung ausgesprochen, Grundwasser im Raum Schaag, Happelter und Kindt für menschliche Zwecke zu nutzen. Es ist mit leicht flüchtigem Chlorkohlenwasserstoff belastet, das nach bisherigen Erkenntnissen bis 1982 in der früheren Knochenmühle der Schippers KG als Fett lösendes Mittel eingesetzt wurde.

In unmittelbarer Nähe der Produktionsstätte, die heute von einem anderen Unternehmen und seit 1982 ohne LCKW betrieben wird, entdeckten Experten in einem privaten Brunnen 2700 Mykrogramm des Mittels, das als krebserregend gilt. In Trinkwasser sind 10 Mykrogramm erlaubt. Vorausgegangen waren geradezu detektivische Ermittlungen der Behörde.

Falscher Verdacht

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Vor etwa sechs Jahren bereits hatte man in Schaag LCKW im Grundwasser entdeckt. In Verdacht geriet die frühere Textilveredlung Schrörs. Doch fanden Fachleute heraus, dass bereits belastetes Grundwasser in den Firmenbrunnen einströmte. "Die Werte waren zwischen 100 und 200 Mykrogramm hoch, ein unmittelbarer Anlass zum Handeln bestand nicht", so Röder. So suchte die Behörde nach möglichen Verursachern — über alte Adress- und Telefonverzeichnisse, Karten sowie Befragungen. Doch eine Quelle für die Belastung wurde nicht gefunden.

Als die Mitteldeutsche Erfrischungsgetränke GmbH für ihren in Breyell geplanten Brunnen Messstellen einrichtete, bat der Kreis, auch nach LCKW zu suchen. Konsterniert hat die Fachleute allerdings, dass an der Messstelle 3, am Mühlenbach außerhalb des Ortes, Gift im Wasser gefunden wurde — und in bereits höherer Konzentration.

In der Nähe fand sich keine historisch erklärbare Quelle. Erst als viel weiter im Süden eine Analyse der Wasserwerke Brüggen ähnliche Befunde aufwies, stieß der Kreis auf die einstige Knochenmühle. In städtischen Akten entdeckte man ein umfassendes Genehmigungsverfahren von 1961/62 zum Einsatz von LCKW. Die Schippers KG stellte das Fettlöseverfahren 1982 ein, weil das Gift über Tierfutter aus Knochenmehl in Hühnereiern entdeckt wurde.

Das Unternehmen gibt es heute nicht mehr. Mit dem heutigen Betreiber steht der Kreis in Kontakt. "Wir stehen erst ganz am Anfang des Verfahrens. Wir hatten aber keine andere Wahl, als in Absprache mit dem Gesundheitsamt die Warnung auszusprechen. Da wartet eine Menge Arbeit auf uns", so Röder.

(RP/rl)