Nettetal Gottesdienst zum 75. Jahrestag der Pogromnacht

"Wider das Vergessen" ist der Titel eines ökumenischen Gottesdienstes anlässlich des 75. Jahrestages der Pogromnacht von 1938 in Kaldenkirchen. Am Samstag, 9. November, findet der Gottesdienst um 17.30 Uhr in der evangelischen Kirche dort statt.

Im Anschluss daran ziehen die Teilnehmer schweigend zur Synagogenstraße. Sie setzen Gedenklichter auf das Granitband, das den Grundriss am originalen Standort der Synagoge markiert. Dort werden die Namen der jüdischen Bürger verlesen, die Opfer des nationalsozialistischen Völkermordes an den Juden wurden.

Die Synagoge in der Kaldenkirchener Innenstadt wurde nicht am 9. November, dem zentralen Tag des Pogroms, sondern einen Tag später zerstört. Die Täter hatten sich gescheut, das jüdische Gotteshaus in der engen Bebauung anzuzünden. Stattdessen brachen sie das Gebäude ab, dessen Ruine noch einige Jahre nach Kriegsende dort stehen blieb.

Am Sonntag, 10. November, setzt der evangelische Pfarrer in Lobberich, Matthias Engelke, das Projekt um den "Großen Gesang vom ausgerotteten jüdischen Volk" von Jizchak Katzenelson fort. "Sieben von 15 bedeutet, es handelt sich um den siebten Abend dieser Reihe des Gedenkens. Engelke liest aus der Arbeit Katzenelsons, der aus der Nähe der weißrussischen Hauptstadt Minsk stammt. Er war Lyriker und Dramatiker, lebte als Lehrer in Lodz und geriet auf der Flucht vor den Nazis ins Warschauer Ghetto. Frau und Kinder wurden in Treblinka umgebracht. Nach dem Aufstand im Ghetto, den er aktiv mitbetrieb, kam er in ein Lager bei Vittel in den französischen Vogesen, wo er den Gesang vom erschlagenen jüdischen Volk niederschrieb und versteckte Katzenelson wurde 1944 nach Auschwitz deportiert und dort umgebracht. Ein Freunde, der entkam, veröffentlichte den Gesang. Er bildet seit Jahren die Grundlage des Gedenkens in Lobberich.

In der Veranstaltung ab 18 Uhr im evangelischen Gemeindehaus beichtet Julietta Breuer über die "Shoa-Kinder bei uns in Nettetal am Beispiel von Erich Sanders (1930-1942)", dazu gibt es eine Ausstellung. Die musikalische Begleitung übernimmt Uli Windbergs. Der Eintrittspreis beträgt 13 Euro (ermäßigt 5,50 Euro). Die Karte berechtigt zum Besuch der Folgeveranstaltungen, zu denen der Eintrittspreis von Jahr zu Jahr steigt. Der Erlös fließt an die jüdischen Gemeinden Krefeld/Mönchengladbach.

Schon jetzt sollte man sich einen weiteren vormerken: Am Dienstag, 10. Dezember, werden in Breyell weitere Stolpersteine verlegt. Die Initiative ergriff der Breyeller Bernd Remmler. Zunächst wird Günter Demnig, der die Stolpersteine verlegt, intern in der Gesamtschule einen Vortrag halten, dem um 13 Uhr eine Gedenkstunde folgt, in der an die 22 Menschen erinnert wird, denen an diesem Tag "Stolpersteine" vor ihrem letzten freiwillig gewählten Wohnort verlegt werden. Das Verlegen der "Stolpersteine" wird im Anschluss daran gegen 14 Uhr beginnen. Dazu ist dann die Öffentlichkeit willkommen.

(lp)
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