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Gisela Wolfers aus Nettetal-Lobberich ist seit 30 Jahren bei den Landfrauen

Lobberich : „Die Landfrauen tun mir gut“

Vor 30 Jahren wurde Gisela Wolfers Mitglied beim Rheinischen Landfrauenverband. Inzwischen bekleidet die 58-Jährige aus Lobberich mehrere Ämter — neben Familie und Beruf. Ihr ist vor allem der Austausch wichtig.

Langeweile kennt Gisela Wolfers nicht. Ihr Tag beginnt um 6 Uhr, wenn die Kühe das erste Mal gemolken werden, später fährt sie für die Kartoffelernte raus aufs Feld, kontrolliert den Mais, und abends sind noch einmal die Kühe dran. Sie kocht das Essen, schmeißt den Haushalt und erledigt, was auf ihrem Hof in Lobberich, den sie mit Mann und Sohn betreibt, eben so anfällt. Daneben nimmt sie sich noch die Zeit für eine Sache, die ihr seit 30 Jahren am Herzen liegt: ihr Engagement im Rheinischen Landfrauenverband. Gerade erst ist sie in ihrem Amt als Beisitzerin im Präsidium bestätigt worden.

Mit harter Arbeit kennt Wolfers sich aus. Ihre Eltern hatten einen landwirtschaftlichen Betrieb und ihre Schwiegereltern auch. Als sie 1989 ihren heutigen Mann Andreas (61) heiratete, wurde sie Mitglied bei den Landfrauen, „durch die Schwiegermutter“, wie sie sagt. „Damals gab es für junge Frauen nicht so viele Freizeitangebote wie heute.“ Schon damals überzeugte sie schnell, was sie noch heute an den Landfrauen schätzt: die vielen Kontakte und die Gemeinschaft.

Wenn Saison war, hat Wolfers auf dem Hof ihrer Eltern mit angepackt, sich sonst aber auf die Büroarbeit und die Hauswirtschaft konzentrieren können. „Bei drei älteren Brüdern ging das“, sagt sie. Wolfers ist staatlich geprüfte Wirtschafterin, kann auch ausbilden, und arbeitete mehrere Jahre in diesem Beruf, bevor das erste Kind kam. Den Hof, auf dem sie mit ihrer Familie lebt, übernahmen sie und ihr Mann von dessen Eltern. Mit knapp 50 bis 60 Milchkühen seien sie gestartet, mittlerweile leben knapp 200 Kühe auf dem Hof. 2013 bauten sie zudem ein Milchkarussell, mit dem 24 Kühe gleichzeitig gemolken werden können. In ihren Beruf ging Wolfers nicht zurück. „Der Betrieb wächst und wächst, da musste ich auf dem Hof helfen“, sagt sie. Die drei Kinder sind heute erwachsen. Sohn Jan (29) ist in den Betrieb seiner Eltern eingestiegen.

In all der Zeit blieb Wolfers den Landfrauen treu. Die seien heute moderner als einst, sagt sie und nennt ein Beispiel: „Man nimmt mehr Rücksicht auf junge Frauen.“ Inzwischen werden manche Angebote wie Tagesfahrten auf einen Samstag gelegt, „damit sich dafür niemand Urlaub nehmen muss“, sagt Wolfers. Denn heutzutage sei es gar nicht mehr so einfach, Mitglieder zu finden, die neben Familie und Beruf in ihrem Terminkalender überhaupt noch Zeit für die Landfrauen finden.

70 Mitglieder zählt der Ortsverband Lobberich, doch „die Zahl ist rückläufig“, sagt Wolfers. Sie und ihre Mitstreiterinnen versuchen, ihren Mitgliedern immer etwas Neues zu bieten, was gleichzeitig an die Tradition der Landwirtschaft erinnert; einen Ausflug zur Brachter Mühle etwa. „Man hat es vor der Tür, aber man kennt es nicht“, sagt Wolfers. Darum bleiben die Landfrauen häufig in der näheren Umgebung. In den Sommerferien beispielsweise treffen sich die Mitglieder des Ortsverbands jeden Montagabend, um gemeinsam eine Radtour zu machen. Es geht aber auch weiter: zum Tagesausflug nach Düsseldorf oder auf Reisen an die Amalfiküste.

Es gibt Näh- und Kochkurse, Kommunikationstrainings und Ehrenamtsseminare, viel Kontakt und Austausch – etwas, dass Wolfers trotz der Arbeit und all den Verpflichtungen nicht missen möchte. „Ich profitiere von den Landfrauen“, sagt sie. „Das tut mir einfach gut.“