Nettetal: Gian-Lucas größte Hoffnung

Nettetal: Gian-Lucas größte Hoffnung

Die Ärzte diagnostizierten bei Gian-Luca Gebhardt eine irreparable Hirnfehlbildung. Der Junge kann noch nicht sprechen oder laufen. Seine Eltern hoffen, mit einer Delfintherapie Fortschritte zu erzielen. Sie bitten um Spenden.

Viersen/nettetal Seit zwei Monaten krabbelt Gian-Luca. Viel später als andere Kinder — aber für den Zweieinhalbjährigen und seine Eltern ist das ein riesiger Schritt. Zu Weihnachten hat der kleine Junge einen tierischen Freund geschenkt bekommen: Dante, ein kleiner Pudel, benannt nach dem brasilianischen Spieler der Borussia Mönchengladbach. Der Hund ist schwarz, wuschelig und fast genauso groß wie Gian-Luca. Mit ihm zusammen hat der Junge das Krabbeln gelernt.

Ein Euro — 400 Meter

Das macht seinen Eltern Marc und Sabine Gebhardt Mut. "Tiere können viel bewirken, das hat uns Dante gezeigt", sagt die 38-Jährige. Die Familie hat wieder Kraft geschöpft nach der traurigen Diagnose der Ärzte. Die Mediziner der Sana Kliniken in Düsseldorf-Gerresheim stellten Ende 2009 eine irreparable Hirnfehlbildung bei dem kleinen Viersener fest. Bis dahin war die Familie davon ausgegangen, dass sich der Entwicklungsrückstand — Gian-Luca konnte den Kopf nicht alleine halten und die Muskeln im Körper waren schwach — mit Physiotherapie aufarbeiten lässt.

Doch bei dem Jungen ist das Stammhirn verletzt, die Schaltzentrale zwischen den beiden Gehirnhälften. "Es ist unklar, ob und wann er laufen, sprechen oder feste Nahrung aufnehmen kann", sagt sein Vater. Das Ehepaar und Gian-Lucas Schwester Angelina hoffen nun, mit Hilfe einer Delfintherapie in Florida weitere Fortschritte erzielen zu können. Unterstützt werden sie in ihrem Vorhaben von Schwester Patricia aus dem Nettetaler Krankenhaus. "Wir möchten so schnell wie möglich fliegen und es versuchen", sagt Sabine Gebhardt.

Die Familie spart fleißig für das große Unternehmen — braucht aber dringend Unterstützung, um die Summe von 15 000 Euro zusammenzutragen. "Mit jedem gespendeten Euro kommen wir unserem Ziel ein Stück näher", sagt der Elektotechniker. Die Süchtelner Familie hat Kontakt zu dem Verein "Dolphin Aid" aufgenommen und dort ein Spendenkonto eingerichtet. "Jeder Euro bringt uns 400 Meter näher an unser Ziel in den USA", sagt Marc Gebhardt. Besonders schön wäre es, wenn sie ein großes Unternehmen aus der Region unterstützen würde — zum Beispiel die Borussia Mönchengladbach. Gebhardt ist ein großer Fan: seinen Sohn hat er am Tag der Geburt als Mitglied angemeldet, noch bevor er ihn bei der Stadt hat registrieren lassen.

"Man muss Prioritäten setzen", sagt er. Gian-Luca kam am 9. September 2007 per Not-Kaiserschnitt zur Welt. "Wir dachten zunächst, es wäre alles OK", erinnert sich seine Mutter. Im November 2008 stellten die Ärzte in der Kinderklinik in Rheydt eine Hirnfehlbildung fest. In Gerresheim bestätigten die Ärzte nach weiteren Tests eine irreparable Schädigung des Stammhirns. Zunächst waren die Ärzte in Mönchengladbach von einem Sauerstoffmangel bei der Geburt als Ursache für die verzögerte Entwicklung des Jungen ausgegangen. Das bestätigte sich nicht; die Ursache ist noch nicht bekannt.

Familie Gebhardt hat Kontakt zu anderen Eltern aufgenommen, die ebenfalls behinderte Kinder haben und die Delfintherapie ausprobiert haben. "Ihre Erfahrungen waren sehr positiv", sagt Sabine Gebhardt. "Wir wollen Gian-Luca diese Chance geben. Dafür lohnt es sich, zu kämpfen." Er lerne dazu, nur nicht so schnell und so viel, wie andere Kinder. Marc Gebhardt sagt: "Medizinisch können die Ärzte nichts für ihn tun. Wir hoffen auf ein kleines Wunder."

(RP)