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Nettetal: Gewerbepark wird Grenzen überschreitenOhne Breitbandkabel gibt es keine Zukunft

Nettetal : Gewerbepark wird Grenzen überschreitenOhne Breitbandkabel gibt es keine Zukunft

Als 1996 die ersten konkreten Überlegungen zum Bau der Autobahn angestellt wurden, legten die Nettetaler sich schnell für eine Trasse fest. Die A 61 sollte in Kaldenkirchen kurz hinter der Leuther Straße nach Westen abbiegen und über die Bahngleise hinweg in Richtung Tegelen führen. Eine neue Anschlussstelle jenseits der Straße "An der Kleinbahn" werde Kaldenkirchen und Venlos Stadtzentrum mit der Autobahn verbinden und ein Gewerbegebiet erschließen.

So besiegelten Vertreter der damals drei Städte Nettetal, Tegelen und Venlo ein grenzüberschreitendes Entwicklungsgebiet: Gewerbe in Kaldenkirchen. Wohnen und Erholung in Tegelen. Und Venlo, so dachte man sich, werde eine Gewerbe- und Dienstleistungsachse vom heutigen Autobahn-Grenzübergang in Richtung Kreuzackersfeld entwickelt. Die Kürzel der beteiligten Kommunen gaben der Idee ihren Namen: Ve-Ne-Te.

Tegelen ist längst Teil von Venlo, und die wachsende Stadt an der Maas dachte nie daran, eine Wirtschaftsachse mit Nettetal zu bilden. Im Kleinkrieg um Autobahnplanung, Naturschutz und Bürgerprotesten gegen Belastungen durch die Autobahn verhedderten die Niederländer sich. Venete drohte für Nettetal zum Flop zu werden. In 14 Jahren wurde hier nicht ein Arbeitsplatz geschaffen. Dafür sitzt die Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Kreises auf Grundstücken, die hohe Zinsen kosten.

Konsequent durchgrünt

Selbst das Symbol für Venete, das in Sichtweite der Autobahn am Eingang des Gebietes geplante Hotel, blieb ein nie greifbares Phantom. Der Bebauungsplan wurde dennoch angeschoben. Zuvor hatte der Rat anfangs widerstrebenden Planern die konsequente Durchgrünung des Gebietes mit ökologischen Grünachsen vorgeschrieben. Clou des Gebietes ist der modulhafte Aufbau: Grundstücke können wahlweise belegt und unterteilt werden. Fest steht auch, dass unansehnliche Zweckbauten nicht akzeptiert werden. Denn das Entree nach Deutschland soll keinen miesen Hinterhofcharakter haben.

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Nettetal (lp) Infrastruktur ist entscheidend für jedes Unternehmen. Die neue Autobahn ist die unverzichtbare Achse mit Anschluss, an der sich Venete entwickeln wird. Dass sie in Tegelen nicht als lupenreines Autobahndreieck mit der vorhandenen A 73 verknüpft wird, ist ein Wermutstropfen. Aber das war bekannt. Fernverkehr aus Richtung Roermond kann nicht nach Nettetal abbiegen, sondern muss sich den Weg anders suchen. Ob die rechnung, von dort werde auch nicht so viel Verkehr mit Zielrichtung Deutschland kommen, weil die A 52 bereits vorhanden ist, aufgeht, wird sich zeigen.

Die Basisstraße

Die heutige Straße "An der Kleinbahn" von Kaldenkirchen zum Schwanenhaus demnächst ausgebaut. Sie wird Kaldenkirchen mit der Autobahn verbinden, aber auch nach Venlo führen. Die geplante Trasse überquert am Schwanenhaus die Bahn und mündet am heutigen Kreisverkehr hinter der Grenze, dem Ende der Autobahn, in das Venloer Straßengerüst. Ob die nur provisorisch gebaute Klagenfurtlaan durch die Groote heide anbgerissen wird, wie es mal geplant war, wird sich erst zeigen. Das heutige Autobahnteilstück zwischen Herrenpfad-Nord in Kaldenkirchen und der Grenze wird abgerissen.

Noch viel wichtiger ist die Versorgung mit Breitbahnverkabelung. Ohne die hochleistungsfähige Einrichtung zum Datentransport ließe sich kein Unternehmen mehr irgendwo nieder. Ein Schwerpunkt von Venete könnte auf dem Gebiet von weitreichenden Gesundheits-Dienstleistungen liegen. Im Kreisgebiet ist dieses Angebot im Vergleich zu anderen unterentwickelt. Diese Branche wäre, wie andere potenzielle Ansiedler auch, auf Breitband-Technik angewiesen. Und selbst hier kommt der grenzüberschreitende Charakter wieder ins Spiel: Am Kaldenkerkerweg in Venlo gibt es einen Anknüpfungspunkt der im Kreisgebiet sonst eher unterentwickelten Technik. Venete stünde der Weg zum "green science and technology centre", wie Wagner es in seiner Neujahrsansprache ausdrückte, weit offen.

(RP)