Nettetal: Geschichte erleben im Atelier van Eyk

Nettetal: Geschichte erleben im Atelier van Eyk

Zum Weltfrauentag hat eine Gruppe Laien ein Improvisationstheater gezeigt. Mit dabei: Käthe Kollwitz

Im Geschäft der Putz- und Hutmacherin Marie Macke treffen Welten aufeinander: Inmitten von wunderschönen Hüten nämlich können Frauen ihre Unterschrift abgeben zur Durchsetzung des Frauenwahlrechts. Aber nicht jede mag ihre unter die Forderung setzen. "Das erlaubt meine Herrschaft nicht", sagt die eine. "Ich finde, wir Frauen sind sehr gut umsorgt. Da brauchen wir so etwas nicht", die andere.

In Leuth ist für einen Abend die Zeit um 100 Jahre zurückgedreht: Ein Dienstmädchen im langen braunen Rock, die elegant gekleidete Schriftstellerin und Tochter eines Generals, Lily Braun, die Hut- und Putzmacherin, Marie Macke treffen im Atelier van Eyk auf Helene Weber, als Köchin und Erzieherin schwarz und schlicht gekleidet, und auf Käthe Kollwitz. Da kommt dann auch die Hutmacherin in ihren Laden, um zu entdecken, dass ihre Schaufenster mit Parolen wie "Frauen, bleibt in Eurer Küche" beschmiert wurden. Es bleibt sogar die eine und andere Kundin aus.

Es ist Weltfrauentag, und es ist Zeit, sich zu erinnern, wie es kam, dass Frauen in Deutschland seit nun 100 Jahren das aktive und passive Wahlrecht besitzen; nicht als erstes, aber auch nicht als letztes Land (das war Liechtenstein 1984).

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Und wie gelingt Erinnern besser als durch Mit-Erleben. Die Idee hatte SPD-Ratsfrau Renate Dyck, Wilhelmina Spolders stellte den Raum und Theaterpädagoge Dirk Windbergs begleitete die sieben Frauen (Dagmar Reichel Rita Heyer, Ulla Hoeke, Karin Banck, Tanja Jansen und Julietta Breuer) in der Vorbereitung kurzer, unterhaltsamer und aufschlussreicher Spielszenen.

Die rund 90 Zuschauerinnen (ein männlicher Gast fand seinen Weg ins Atelier) erlebten mit, wie in Europa gefochten wurde für das Stimmrecht für die Frauen. Setzte frau sich für politische Gleichberechtigung ein, so hörten die Zuschauer, konnte man schnell als hysterisch bezeichnet werden.

Julietta Breuer informierte zwischen den Szenen über die historischen Fakten zur Entwicklung des Frauenwahlrechts, das 1914 als eine "Beleidigung für die Obrigkeit" galt, aber am 12. November 1918 offiziell verbrieft wurde. Die Besucherinnen erlebten eine lebendige Geschichtsstunde, wie man sie sich besser nicht wünschen kann, aber in der Schule oft vermisste.

(b-r)