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Gesamtschule Nettetal ausgezeichnet für Förderung bei Legasthenie und Dyskalkulie

Legasthenie und Dyskalkulie : Gesamtschule in Berlin ausgezeichnet

Der Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie verlieh der Gesamtschule Nettetal einen dritten Preis für Best-practise-Beispiele schulischer Förderung. Seit 2012 werden in Nettetal LRS-Schüler besonders gefördert.

Im Foyer des Gebäudes der Bundespressekonferenz in Berlin begegnete Leo Gielkens, Leiter der Gesamtschule Nettetal, Gesundheitsminister Jens Spahn und schüttelte ihm die Hand. Während der Minister dem großen Saal zusteuerte, ging es für die kleine Delegation aus Nettetal in einen der Nebenräume. Dort zeichnete der Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie (Lese- und Rechtschreibschwäche sowie Rechenschwäche) zusammen mit der Deutschen Kinderhilfe drei Schulen aus.

Bundesweit waren 24 Bewerbungen eingegangen. Der dritte Preis, dotiert mit 500 Euro, ging an die Städtische Gesamtschule Nettetal, die Schüler und Schülerinnen ganzheitlich unterstützt, das heißt psychosozial und beim Lernen. Der Verband hob besonders einen umfassenden und verbindlichen Leitfaden zum Nachteilsausgleich hervor.

Der erste Preis ging an die Bertolt-Brecht-Gesamtschule in Bonn, die ein umfassendes Konzept entwickelt hat. Alle Schüler werden in der 5. Klasse im Lesen, Schreiben und Rechnen getestet. Den zweiten Preis erhielt die Otto-Wels-Grundschule in Berlin-Kreuzberg. Die Brennpunktschule arbeitet mit studentischen Rechenpaten der FU Berlin.

Für die Nettetaler war der Freitag ein langer Tag. Schon sehr früh ging es über Viersen mit dem ICE nach Berlin, wo man um 12.10 Uhr ankam. Um 14 Uhr war die Preisverleihung. Um 18.50 Uhr ging es vom Berliner Hauptbahnhof wieder zurück. Für beide Schüler, die mitfuhren, war es der erste Berlin-Aufenthalt. Von Berlin haben sie allerdings nicht viel gesehen, gerade mal den Reichstag und das Brandenburger Tor. In Berlin führte das Team der Gesamtschule einen zwölfminütigen Film vor, in dem das Konzept für Schüler mit besonderen Schwierigkeiten beim Lesen und Rechtschreiben (LRS) kurz vorgestellt wurde.

Zusammen mit einer Kollegin, die heute im Ruhestand ist, entwickelte Deutschlehrerin Barbara Boyxen ab 2005/06 erste Ansätze, nachdem beide eine Fortbildung dazu gemacht hatten. Im Jahr 2012 wurde eine Förderung in Kleingruppen eingerichtet. Dafür wurde erstmalig eine einheitliche Vorgehensweise entwickelt, um Kinder und Jugendliche mit einer Lese- oder Rechtschreibschwäche besonders zu unterstützen. Dieses Verfahren wurde von Jahr zu Jahr weiterentwickelt, so dass der derzeitige Stand erreicht werden konnte. Jährlich überprüft das Kollegium, inwieweit das Konzept angepasst werden müsste.

Ganz wichtig ist Barbara Boyxen, die Schüler und ihre Eltern zu beruhigen. Die LRS habe nichts mit mangelnder Intelligenz zu tun. Schüler mit LRS haben und können das Abitur machen. Aktuell werden um die 100 Jungen und Mädchen mit LRS an der Schule besonders gefördert. In der Sekundarstufe I gibt es seit 2013 kleine Fördergruppen parallel zum Deutsch-Unterricht. Nach dem Konzept von Carola Reuter-Liehr wird besonders das Silben-Sprechen geübt. Auch wird mit Wortbausteinen gearbeitet. Zuhause sollten auch die Eltern für tägliche Leseübungen sorgen. Wichtig für die Schule sei auch, dass die Wertschätzung gegenüber jedem einzelnen Schüler nicht verloren gehe. Mit dem Wettbewerb und den prämierten Best-practise-Beispielen wollen der Bundesverbad Legasthenie und die Deutsche Kinderhilfe auf die Problematik aufmerksam machen, damit die betroffenen Kinder eine individuelle Unterstützung erfahren.