Nettetal Gesamtschule lehnt viele Kinder ab

Nettetal · "Noch nicht inhaltlich diskutieren" Rund 50 Prozent der jetzigen Viertklässler, die die Eltern im Sommer gern auf die Gesamtschule Nettetal schicken würden, werden abgelehnt. Vor allem Kinder mit Hauptschulempfehlung haben schlechte Karten.

 Die Gesamtschule Nettetal kann nicht alle Kinder aufnehmen, die angemeldet werden.

Die Gesamtschule Nettetal kann nicht alle Kinder aufnehmen, die angemeldet werden.

Foto: Busch/dpa / Fotomontage: RP

Der Leiter der Gesamtschule Nettetal, Roland Schiefelbein, hatte es in der jüngsten Sitzung des Schulausschusses der Stadt nicht leicht. Denn dem Schuldezernenten Armin Schönfelder ist es ein Dorn im Auge, dass die Gesamtschule im kommenden Schuljahr von 62 Viertklässlern mit Hauptschulempfehlung wohl nur zwölf aufnimmt. Schönfelder schwebt hingegen vor, je ein Drittel Schüler mit Haupt-, Realschul- und Gymnasialempfehlung anzunehmen. "Es wird die Aufgabe der Schulentwicklung sein, dafür zu sorgen, dass Kindern mit Hauptschulempfehlung an der Gesamtschule ein gerechter Aufstieg ermöglicht wird."

Schiefelbein ärgert die Forderung, sei sie mit der Rechtslage schlicht nicht vereinbar. "Die Schulformempfehlung spielt bei der Auswahl überhaupt keine Rolle." Vielmehr werde aus bestimmten Noten aller angemeldeten Schüler ein Mittelwert gebildet, der als Grundlage diene. Also sei es klar, dass Schüler mit Realschul- und Gymnasialempfehlung die besseren Chancen hätten. "Das müsste Herr Schönfelder eigentlich wissen", sagt Schiefelbein im Gespräch mit der RP.

Eltern schulpflichtiger Kinder rennen der Gesamtschule Nettetal buchstäblich die Bude ein, wie die aktuellsten Anmeldezahlen (das Verfahren endet am 16. März) der weiterführenden Schulen zeigen: Für die künftige fünfte Klasse liegen derzeit 223 Anmeldungen vor, doch nur 113 Mädchen und Jungen können angenommen werden. Auch dies ist ein Umstand, der in der Sitzung für Unmut sorgte: "Das ist ein Trauerspiel und Desaster. Wir haben in der Stadt eine Schullandschaft, die in großen Teilen nicht dem Elternwillen entspricht", sagte Guido Gahlings von den Grünen. Jürgen Boyxen von der CDU zeigte sich irritiert über "die angestaubte Empörung aus der grünen Ecke". Schließlich habe man sich schon längst entschlossen, einen Weg aus dem Dilemma zu finden (siehe unten stehenden Artikel).

Insgesamt sind die Anmeldezahlen an den weiterführenden Schulen in der Stadt Nettetal im Vergleich zum Vorjahr um zehn Prozent gesunken — von 393 auf 432 Schüler. Verlierer dieser Entwicklung sind vor allem die Hauptschulen: Der Hauptschule in Lobberich liegen nur vier Anmeldungen vor, der in Kaldenkirchen 18. Wenn die an der Gesamtschule abgelehnten Schüler aufgeteilt sind, wird die Hauptschule in Lobberich zum zweiten Mal nur einzügig, die in Kaldenkirchen zweizügig sein. "Die Hauptschule in Lobberich hat keine Existenzberechtigung mehr", sagte Gahlings von den Grünen.

Auch die Realschule hat schwer zu kämpfen: Von 90 auf 60 ist die Zahl der Anmeldungen binnen eines Jahres gesunken. "Das ist eine Entwicklung, die wir nicht gutheißen können", sagte Schönfelder. "Die Realschule leidet darunter, dass Schüler mit Realschulempfehlung verstärkt an der Gesamtschule aufgenommen werden." Positiv ist die Entwicklung hingegen am Werner-Jaeger-Gymnasium in Lobberich: 110 Anmeldungen in diesem Jahr stehen 93 im Schuljahr 2011/12 gegenüber.

(RP)
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