Gemeinsame Ortsbegehung: An diesen Stellen in Nettetal haben es Menschen mit Behinderung schwer

Lobberich : Wo es in Nettetal Barrieren gibt

In Nettetal gehören gemeinsame Ortsbegehungen zur Feststellung von Barrieren im öffentlichen Raum zum Alltag. Stadt, Behindertenbeauftragte und Mitglieder vom Netzwerk für Behinderte sind zusammen unterwegs.

Kaum ist der Kleinbus an der Hoverkampstraße in Lobberich zum Stehen gekommen und alle sieben Insassen sind ausgestiegen, verteilt Cornelia Heks weiße Brillen. „Diese symbolisieren das Sichtvermögen einen sehbehinderten Menschen“, erklärt die Sachgebietsleiterin Senioren, Wohnen und Soziales der Stadt Nettetal. Lediglich Achim Hirt benötigt keine, da er genau mit dem Handicap konfrontiert ist, um das es an dieser Straße geht.

„Wir möchten wissen, ob der Farbunterschied zwischen dem Bürgersteig und der Bordsteinkante kontrastreich genug ist, damit er von einem Menschen mit einer Sehbehinderung deutlich wahrgenommen wird“, erklärt Thomas Gotzen vom Geschäftsbereich Tiefbau der Stadt Nettetal. Noch bevor die anderen Teilnehmer der Begehung ihre Brillen aufgesetzt haben, schüttelt Hirt schon den Kopf. „Ich kann das erste Stück erkennen, dann geht nichts mehr“, sagt der stark sehbehinderte Mann. Den anderen geht es nach dem Aufsetzen der Brillen nicht anders. Es ist nicht zu erkennen, wo die hellgraue Pflasterung des Bürgersteigs in Richtung Straße aufhört und die dunklere Graufärbung der Bordsteinkante beginnt. Auf die Frage von Joachim Prikulis, ob Hirz die neu gemachte Ringstraße in Kaldenkirchen mit dem dort zum Einsatz kommenden System kennt, erhält der Geschäftsbereichsleiter Tiefbau ein Nicken. Der sehbehinderte Hirz kann nur bestätigen, dass es dort für ihn um ein vielfaches einfacher ist, die Abgrenzung zu erkennen, weil an der Ringstraße die letzte Plattenreihen in Richtung Bordstein komplett anthrazitfarbenen gepflastert ist. Für das Tiefbauamt eine zukunftsweisende Feststellung. „Das heißt, wir werden bei zukünftigen Maßnahmen auf die Pflasterung, wie sie in Kaldenkirchen vorliegt, zurückgreifen und nicht mehr auf die an der Hoverkampstraße“, sagt Gotzen.

Heks sammelt die Brillen ein und es geht wieder zum Auto. Die nächste Straße steht auf dem Ablaufplan. Zum nunmehr dritten Mal trifft sich in diesem Jahr die Stadt Nettetal zusammen mit der ehrenamtlichen Behindertenbeauftragten der Stadt, Dagmar Tohang, sowie zwei Mitgliedern aus dem Netzwerk für Behinderte in Nettetal zu einer Ortsbegehung. Gemeinsam wird vor Ort geschaut, wie Menschen mit Handicap das Leben im öffentlichen Raum einfacher gemacht werden kann. „Wir erhalten aus der Bürgerschaft und auch aus den eigenen Reihen Hinweise, wo etwas überprüft werden sollte, ein Missstand vorliegt oder generell erst einmal geschaut werden sollte, wie eine Maßnahmen behindertengerecht umgesetzt werden kann“, sagt Heks. Liegen mehrere Meldungen vor setzen sich die Behindertenbeauftragte, Mitglieder vom Netzwerk für Behinderte und die Stadt in Bewegung, um die Punkte vor Ort zu begutachten.

Heks hat den Bus zur Oberen Färberstraße gesteuert. Hier liegt ein Hinweis aus der Bevölkerung vor, dass eine Absenkung eines Bürgersteiges an der Stelle fehlt, wo der Fuß-und Radweg, der die Obere Färberstraße mit der Samtbandstraße verbindet, ankommt. Besagte Absenkung ist wirklich nicht vorhanden. Warum das in diesem Falle aber so ist, kann Gotzen schnell erklären: Auf der anderen Seite der Straße werde noch gebaut, und es sei noch nicht abschließend ersichtlich, wo dort die späteren Absenkungen für Garageneinfahrten- oder Stellplätze sein werden. „Wenn diese fertig sind, werden wir, genau gegenüberliegend, die entsprechende Absenkung anbringen, damit ein gerades Queren der Straße problemlos möglich ist“, informiert er. Das heißt, die spätere Absenkung erfolgt, kommend vom Fuß- und Radweg, entweder ein Stückchen nach links oder rechts versetzt.

Rudolf Lohmann und Walter Brandt vom Netzwerk zeigen sich zufrieden, und es geht weiter nach Hinsbeck, wo die nächsten Hinweise der Begehungsliste in Augenschein genommen werden.