Nettetal: Gegen das Vergessen - Stolpersteine in Hinsbeck

Nettetal : Gegen das Vergessen - Stolpersteine in Hinsbeck

Zum Gedenken an zwei jüdische Familien, legte Künstler Gunter Demning Stolpersteine vor dem früheren Wohnhaus der Familien. Umrahmt wurde die einstündige Veranstaltung durch Musikstücke des Hinsbecker Musikers Uli Windbergs.

Zu der vom VVV Hinsbeck organisierten Gedenkfeier hatten sich rund 150 Besucher eingefunden, die vom VVV-Vorsitzenden Peter Beyen begrüßt wurden. Sein besonderer Gruß galt dem Initiator dieser Verlegeaktion, Hans Kohnen, der leider wegen einer Erkrankung nicht anwesend sein konnte, und seiner Familie. Beyen erinnerte in seinen Worten an die Geschichte und Vertreibung der Hinsbecker Juden.

Er hoffe, dass durch die Verlegung der Steine die Erinnerung an die schrecklichen Verbrechen auch bei der Jugend erhalten bleibe. Der stellvertretende Bürgermeister, Harald Post, dankte den Vereinen, die eine solche Aktion ermöglichten, und rief alle auf, bei Judenhetze und Fremdenfeindlichkeit wach zu bleiben.

Währenddessen hatte Gunter Demnig dem Bürgersteig zwei Platten entnommen, in die er je vier Stolpersteine einer vertriebenen Familie einbrachte. Im Mittelpunkt der Hinsbecker Veranstaltung standen Kinder und Jugendlichen. Zunächst legten sie acht weiße Rosen und acht brennende Kerzen um die acht Stolpersteine. Der frühere Rektor der Comeniusschule Hinsbeck, Konrad Wilms, berichtete über die heutigen Möglichkeiten, die eine Schule hat, Geschichte und insbesondere die NS-Zeit den Schülern zu vermitteln.

Vier Schüler des Förderzentrums West - Standort Hinsbeck (frühere Comeniusschule) - trugen Gedichte zu diesem Thema vor. Vanessa Thom das Gedicht "Im September" von Hans Retep, Jennifer Rodermund und Alice Willemsen die Gedichte "Ich wandere durch Theresienstadt" und "Als ob" von der 1944 in Auschwitz ermordeten jüdischen Schriftstellerin Ilse Weber sowie Jonas Janßen und Dennis van Kaldekerken das Gedicht "Junge Witwe" von Paul Zech. Es wurde still, als die Vier vortrugen, man spürte die Ergriffenheit, die aus den Gedichten sprach. Abschließend sprachen der evangelische Pfarrer Dr. Engelke besinnliche Worte zu "Gott ist Glück - Wann bin ich glücklich" bzw. der katholische Pfarrer Günter Wiegandt davon, "dass immer noch Menschen verfolgt werden, doch Gewalt wird nicht das letzte Wort haben". So ging eine würdige Gedenkveranstaltung zu Ende.

(heko)
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