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Nettetal: Gastwirte, Brände und Schmuggler

Nettetal : Gastwirte, Brände und Schmuggler

Der VVV-Gesprächskreis "Hänsbäcker Jüüte vertälle" befasst sich mit Wirtschaftsgeschichte in Hinsbecker Honschaften.

Eine lebhafte Runde entwickelte sich beim vierten Teil des Vortrags von Heinz Koch über die "Wirte und Wirtschaften in Hinsbeck seit 1800". Im Mittelpunkt standen Betriebe in Schlibeck, an der Bahnstraße und am Bahnhof. Die etwa 30 Besucher, von denen einige in den Honschaften aufwuchsen, beteiligten sich lebhaft.

In Schlibeck gab es drei Gaststätten. Die Schenkwirtschaft Müntges bestand zwischen 1849 und 1860 an der späteren Dampfmolkerei. Johann Bist erhielt 1858 die Genehmigung für eine Fuhrmannsherberge mit Gastronomie. Durch Heirat kam sie später zur Familie Pecks, die die Gaststätte als "Bongershof" bis zum Brand des Hauses im August 1964 führte. Sie wurde nicht wieder aufgebaut. Ein Jahr nach dem Bau eines Hauses erhielt 1836 Johann Mathias Schommer aus Hinsbeck die Konzession einer dritten Gaststätte. Das unter der Bezeichnung "Zur guten Quelle" geführte Haus mit großem Saal übernahm 1976 Erwin van Vlodrop. 1989 brannte das Haus ab, es wurde für die Verbreiterung der Straße beseitigt.

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An der früheren Bahnstraße (heute Niedieckstraße) und am Bahnhof wurden erst um 1865, mit dem Bau der Bahnstrecke Kaldenkirchen–Kempen, Häuser gebaut. 1870 baute Johann Jakob Görtz an der heutigen Gaststätte Intermezzo einen Bauernhof. Ihn übernahm 1888 Heinrich Jakob Hendricks aus Büschen, er erhielt 1890 die Schenkkonzession. 1901/02 baute sein Nachfolger Jakob Rollbrocker das heutige Gebäude als Hotel-Restaurant, das unter verschiedenen Besitzern bis 1985 bestand. Mit Heiterkeit verfolgten Zuhörer berichtete Aktivitäten der Schmugglerbanden um 1925 unter Wirt Josef Küppers. Heute betreiben Ilse und Rolf Hammans hier eine der letzten typischen Bierwirtschaften im Umkreis.

Schräg gegenüber befand sich die "Restauration zum Bahnhof" mit Saal und Billardzimmer, 1867 von Peter Heinrich Giebmanns aus Breyell erbaut und betrieben. Ende 1919 kaufte der Zigarrenfabrikant Jakob Tiefenbach aus Goch das Haus. Nach dessen Tod 1928 wurde es mehrfach versteigert, 1934 brannte der Saal ab. Die Gaststätte wurde in Wohnungen umgebaut.

Im Bahnhof Lobberich betrieb ab 1868 im Wartesaal der I. und II. Klasse Peter Heinrich Kiwitz aus Hinsbeck eine Gaststätte. Da die Bedingungen wegen vieler Viehtransporte nicht gut waren, kündigte er 1870 den Vertrag. Im gegenüberliegenden Haus Sassenfeld 1 betrieb er eine Bahnhofs-Gaststätte. Kiwitz' Sohn baute 1901/02 im Garten ein großes Bahnhofs-Hotel (Adresse Rosenthal). Es wurde im Zuge der Wirtschaftskrise 1929 von der Sester-Brauerei ersteigert und verpachtet. Für die Gaststätte im Bahnhofsgebäude konnten zwischen 1870 und 1934 keine Aktivitäten ermittelt werden. 1934 wird mit Peter Heinrich Kiwitz jun. erstmals ein Pächter genannt. Er betrieb die Gaststätte bis zum Beginn des 2. Weltkriegs, bis 1946 wohnte er hier. 1958 übernahm der Hinsbecker Karl Hartogs von Hans Sauerbrei die Bahnhofsgaststätte (siehe Kasten).

(heko)