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Nettetal: Freispruch im Menschenraub-Prozess

Nettetal : Freispruch im Menschenraub-Prozess

Erpresserischer Menschenraub, räuberische Erpressung und gefährliche Körperverletzung: Die Vorwürfe gegen zwei Angeklagte wogen schwer. Gestern nun sprach die Kammer in Krefeld einen der beiden Angeklagten (35 Jahre) frei, der andere (36) wurde wegen Körperverletzung zu einer Geldstrafe in Höhe von 1800 Euro verurteilt.

Vor dem Verhandlungssaal des Krefelder Schöffengericht warteten Journalisten mit Kamera und zahlreiche Zeugen. Zwei Männer sollten eine Frau tagelang in einer Wohnung eingesperrt haben. Vor zwei Jahren sollten sie die ehemalige Freundin eines der beiden Angeklagten gegen ihren Willen in Lobberich festgehalten haben. Fünf Tage sei sie eingeschlossen, geschlagen und um Geld erpresst worden, hatte die 48-Jährige im Ermittlungsverfahren angegeben. Hätte sich dies bestätigt, wären die Männer um eine langjährige Haftstrafe kaum herumgekommen.

Vor Gericht war die Sachlage aber keinesfalls so eindeutig wie im Ermittlungsverfahren. Die Geschädigte hatte angegeben, sie sei während der fünf Tage von den beiden gezwungen worden, Geld von ihrem und dem Konto ihrer Großmutter abzuheben. Das hätte sie abgeben müssen. Außerdem sei sie brutal geschlagen worden. Auch mit dem Tode habe man ihr gedroht. Vor Gericht gab sie allerdings an: "Ich war drei Tage gefangen." Auch bei den Einzelheiten der Geldübergabe gab es Ungereimtheiten. Immer wieder fiel sie dem Staatsanwalt ins Wort, so dass der sich mit den Worten "Jetzt bin ich dran!" Gehör verschaffen musste.

Die beiden Männer hatten die Vorwürfe abgestritten. Sie sagten, die Frau habe eine lange Beziehung zu dem 36-Jährigen gehabt, beide hätten mehrere Tage in der Wohnung des 35-Jährigen verbracht. Das Geld habe sie abgehoben und einem Passanten als Schmerzensgeld überreicht, weil sie ihn angefahren habe. Außerdem habe die Frau Essen bezahlt. Die Verletzungen habe sie bei einem Treppensturz erlitten. Dem Gericht blieben erhebliche Zweifel. Der Inhaber der Wohnung wurde freigesprochen. Der 36-Jährige wurde wegen Körperverletzung verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass er die Frau geschlagen hatte.

(bil)