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Theaterstück "Terror" in Nettetal: Freispruch für den Todes-Piloten

Theaterstück "Terror" in Nettetal : Freispruch für den Todes-Piloten

In der Lobbericher Werner-Jaeger-Halle konnte 328 Zuschauer Ferdinand von Schirachs Stück "Terror" erleben. In der Pause wurde rege diskutiert, denn jeder musste abwägen: Ist der Pilot, der einen Anschlag verhindert, ein Mörder?

Normal ist, in einer Theaterpause zu plaudern. Freunde und Bekannte stehen zusammen, genießen ihr Aufeinandertreffen bei einem Schlückchen Wein, Saft oder Sekt, berichten Neuigkeiten von Kindern oder Enkeln. Man frotzelt, lacht und weiß sich eins im Interesse an Kultur. Schließlich ist Abo-Tag. Im Foyer der Werner-Jaeger-Halle war jetzt alles anders. Und das lag an dem Drama "Terror" von Ferdinand von Schirach.

Von Schirach hat mit seinem Theaterstück einen Bestseller gelandet. Gerade zwei Jahre alt, wurde es bereits an zahlreichen deutschen Bühnen inszeniert, vor ein paar Wochen lief die Filmfassung im Fernsehen - mit anschließender "Hart aber fair"-Runde und langen Diskussionen der Feuilletons.

In Lobberich war nun die Produktion des Tourneetheaters Landgraf zu erleben. Als Vorsitzender Richter auf der Theaterbühne war der aus Fernsehserien beliebte Johannes Brandrup zu sehen, er spielte neben etlichen weiteren guten Akteuren.

 Die Stadt will die Friedhofsgebühren senken.
Die Stadt will die Friedhofsgebühren senken. Foto: busch

Das Thema ist hochbrisant: Gegen einen Piloten der Bundeswehr läuft ein fiktives Gerichtsverfahren. Er hat eine von einem Terroristen gekaperte Lufthansa-Maschine gegen ausdrücklichen Befehl abgeschossen. Damit wollte er verhindern, dass sie ins vollbesetzte Münchner Olympiastadion einschlägt.

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Und auch in Lobberich verfehlte das Verfahren seine Wirkung nicht: So viel ernsthafte Gespräche über das Für und Wider der Gesetzeslage, über Sinn und Wert des Grundgesetzes, über Moral und gesunden Menschenverstand, Prinzipien und Schuld hat es noch nicht gegeben während einer Theaterpause im Lobbericher Kulturzentrum.

Das ist der Clou dieses Theaterabends: dass die Zuschauer in die Rollen von Richtern, sprich Schöffen, versetzt werden, und sich für "schuldig" oder "nicht schuldig" entscheiden müssen. Denn zurück in den Saal geht's nur durch eine von beiden Türen mit entsprechender Aufschrift. Das Ergebnis in Lobberich fiel - im Vergleich zur Fernseh-Premiere und etlichen anderen Bühnenabenden - vergleichsweise knapp aus. Natürlich wollten die meisten - hier waren es 194 Zuschauer - den Piloten, der 164 Menschenleben beendet hatte um 70.000 zu retten, nicht einsperren. Aber immerhin 134 hielten ihn für schuldig im Namen des Gesetzes.

Man kann sich trefflich streiten, ob das Stück mehr sei als geschickt gemachte Unterhaltung. Manche Kritiker nehmen gar das Wort "Verarsche" in den Mund.

Fest zu halten bleibt in diesem Fall eine sehr solide Leistung der Schauspieler, die ihre Rollen profiliert und ohne Pathos umsetzen. Und dass sich so viele Menschen ernsthaft darauf einlassen, den Sinn unserer Verfassung und Gerichtsbarkeit zu ergründen, scheint auf jeden Fall begrüßenswert.

(ark)