Frau aus Nettetal entwickelt besondere Broschüre gegen Brustkrebs

Nettetal : Lobbericherin entwickelt besondere Broschüre gegen Brustkrebs

Flyer über Brustkrebs gibt’s Tausende. So einen, wie ihn der Verein Pink Ribbon in Kooperation mit der Stadt Nettetal jetzt herausgebracht hat, noch nicht.

Jede achte Nettetalerin erkrankt im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs. Christina Kempkes ist Lobbericherin und Kommunikationsleiterin des Vereins Pink Ribbon, der zu Brustkrebs und Vorsorge informiert. Als Grundlage für eine erfolgreiche Therapie gilt die frühe Erkennung der Krankheit. Jetzt hat Pink Ribbon einen Infoflyer in mehreren Sprachen herausgebracht, um damit auch Frauen mit Migrationshintergrund anzusprechen. In der Broschüre sind das Abtasten der Brust erklärt und Fakten rund um Brustkrebs und Leistungen der Krankenkassen zusammengefasst. Entstanden ist die Broschüre unter anderem in Zusammenarbeit mit der Stadt Nettetal.

„Uns war sehr wichtig, nicht nur die sprachlichen Brücken zu bauen, sondern auch die Bildauswahl mit Rücksicht auf kulturelle Besonderheiten zu treffen“, sagt Kempkes. In der Broschüre zeigt die ehemalige Boxweltmeisterin Regina Halmich in Fotos die wesentlichen Handgriffe zum Abtasten der eigenen Brust. Durch ein Bodypainting soll der Körper der Sportlerin dabei in den Bildern nicht nackt wirken. „Brustkrebs ist ein Thema, das schon an sich schwer anzusprechen ist“, sagt Kempkes, und die Informationen in einer Fremdsprache zu erhalten, erschwere den Zugang nur mehr. Daher sei die Idee entstanden, die Broschüre auch auf Türkisch, Arabisch, Farsi, Englisch, Französisch und Spanisch herauszubringen. Im Pilotprojekt sind die Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Nettetal und des Kreis Viersen, die Moscheegemeinde in Lobberich und der Integrationsrat in Lobberich eingebunden. Sie sorgen für eine möglichst breite Verteilung der Informationen an Frauen aller Altersgruppen aus anderen Kulturkreisen.

In Zusammenarbeit mit einer Bekannten, die sich in Moscheen engagiert, hat Kempkes das Projekt angestoßen. Das Arbeitsteam befragte Frauen in den Zielgruppen, wie man Frauen mit Migrationshintergrund und aus anderen Kulturkreisen besser erreichen könnte. „Auch der Umgang mit Nacktheit, dem eigenen Körper und auch Krankheit an sich ist an einigen Stellen anders“, sagt Kempkes. Für Informationen zu diesen Themen einen ansprechenden Zugang zu finden, sei einer der wichtigsten Punkte beim Gestalten des Flyers gewesen. Bei den Gesprächen sei auch aufgefallen, dass vielen Frauen genaue Informationen dazu fehlen, wie das deutsche Gesundheitssystem funktioniert.

Die Broschüren sollen zunächst im Kreis Viersen ausliegen und verteilt werden. „Wir wollen im nächsten Schritt mit den Erfahrungen aus dem Pilotprojekt dieses Angebot für Frauen mit Migrationshintergrund in möglichst viele weitere Städte und Gemeinden in ganz Deutschland bringen“, sagt Kempkes. „Viersen übernimmt eine Vorreiterrolle in dieser wichtigen Angelegenheit.“

Die erste Ausführung in türkischer Sprache stellten Kempkes, Nettetals Gleichstellungsbeauftragte Nina Smets und Sandra Breuer von der Flüchtlingshilfe gemeinsam beim Nettetaler Frauentag vor. „Wir hoffen, dass sich die Informationen zur Vorsorge und zu der Broschüre auch unter den Frauen verbreiten“, sagt Kempkes. Wenn die Frauen unter sich sind, seien sie offener für Gespräche zu sensiblen Themen, sagt auch Smets. Dementsprechend soll der Flyer nicht nur beim Bürgerservice, Doerkesplatz 11, ausliegen, sondern auch an Flüchtlingsunterkünfte, Jugendamt und Frauenärzte verteilt werden. Über die Webseite www.pinkribbon-deutschland.de/welcome sind alle Sprachversionen auch zum Herunterladen verfügbar.

Wer die Broschüre zum Verteilen erhalten möchte, kann sich an Nina Smets wenden unter Ruf 02153 898 1018 oder per E-Mail an nina.smets@nettetal.de.

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