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Nettetal: Fotomotive einmal um die eigene Achse

Nettetal : Fotomotive einmal um die eigene Achse

Der Lobbericher Designer Carlo Zanders macht 360 Grad-Panoramabilder und setzt die Fotos auch in Bewegung.

Man misstraut zunächst seinen Augen, wenn man auf das Bild vom Innern der Lobbericher Pfarrkirche St. Sebastian blickt. Ist das eine optische Täuschung? Denn so hat man die Kirche noch nie gesehen. Stimmt. Vom Standort an den Altarstufen kann man mit einem Blick auf die Orgel schauen, auch den Standort der Seitenaltäre erahnen, aber nicht auch noch den Hochaltar im Rücken sehen.

Carlo Zanders macht das mit seinen Fotos möglich - mit einem kleinen Schönheitsfehler: Der Altartisch und der Hochaltar sind in der Mitte zerschnitten. Das geht nicht anders, denn sonst könnte das Bild hier nicht plan gedruckt werden.

Seit Jahren schon tüftelt der Designer, der im vorigen Jahr sein Diplom in der Richtung Produktdesign an der Hochschule Niederrhein in Krefeld erworben hat, an der Perfektionierung der Technik. Wohlgemerkt: Er stellt nicht eine Videokamera aufs Stativ und dreht diese dann auf einer Scheibe einmal um die eigene Achse.

Er macht Fotos mit einer Spiegelreflexkamera, die mit einem extremen Weitwinkel bestückt ist. "Ich brauche 24 Stück für ein 360 Grad-Panorama", erläutert er die Technik. Allerdings macht er dreimal 24 Fotos in drei unterschiedlichen Belichtungen. Und dann beginnt die Arbeit am Computer. "Hier muss ich die Fotostücke dann so anpassen, dass der Eindruck nachher stimmig ist", sagt er, als wär's die einfachste Sache der Welt. Der Eindruck beim Betrachter ist: "Überwältigend!"

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Wenn man auf Zanders' Internetseite www.motionpanorama.de schaut, steht dort eine ganz Reihe von Bildern dieser Art. In gleicher Weise hat er noch einige Motive ins Bild gesetzt: Lobberichs Alte Kirche (hier sind die Eingangstür und die Orgelbühne durchschnitten), die alte Niedieck-Fabrik kurz vor dem Abbruch, den Wasserturm, die Rundbogenflugzeughalle auf dem früheren Fliegerhorst Venlo (am Bundeswehrdepot), die Wasserflächen am Rohrdommelprojekt Wittsee/Nette.

Und nun wird es spannend: Nach einigen Sekunden bewegen sich die Bilder, was flach gedruckt ist, wird im Rundumblick vorgeführt. An einigen Stellen blinkt es, denn Zanders hat nun weitere Blicke eingebaut. Mit wenigen Klicks kann man in St. Sebastian auf die Orgelbühne und auf das Gewölbe steigen und sich die Glocken anschauen. Im Wasserturm führt der Weg bis über den heute leeren Wasserbehälter.

Ein Hit, so hat Zanders festgestellt, sind die Niedieck-Aufnahmen, die er im Frühjahr 2013 kurz vor dem Abbruch der Gebäude gemacht hat. Nach jahrelangem Leerstand sieht es dort sehr schlimm aus, doch werden hier und da noch Fotos aus alten Zeiten eingeblendet, so dass man ahnen kann, wie es in der Firma einmal ausgesehen hat. Schließlich ein scharfer Schnitt ins Jahr 2014: Alles platt, im Hintergrund ist nur noch das Longlife-Gebäude zu sehen, das 1902 von de Ball gebaut worden war. Zanders hat hier auf bewegende Weise Zeitgeschichte festgehalten.

Gebäude und Landschaften aus ungewöhnlichem Blickwinkel zu zeigen, sind für Zanders allerdings nur Hobby. Der 31-Jährige, der noch für eine Kölner Eventagentur arbeitet, möchte mit diesen (im Internet bewegten) Panoramabildern mal "die Brötchen verdienen". So zeigt seine Homepage auch schon zahlreiche Beispiele für Geschäftswerbung. Gerade auch kleinere Unternehmen, hofft er, "können sich derartige Werbung sicherlich leisten". Für seine Idee hat er schon Restaurants, Textilhäuser, ein Autohaus und sogar ein Bestattungsunternehmen gewonnen. Vor allem bei Restaurants findet er es praktisch, "wenn man sich vorher mal anschauen kann, wie es drinnen aussieht". Das ließe sich unterwegs sogar auf dem Smartphone abrufen.

(mme)