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Nettetal: Fluch und Segen des Mittels CKW

Nettetal : Fluch und Segen des Mittels CKW

Schon im Mittelalter befand sich an der Stelle im Happelter, an der der Grundwasserschaden entstanden ist, eine Knochenmühle. Damals ließen die Menschen sich allerdings mehr Zeit, außerdem hatte sie kaum chemische Mittel zur Hand.

Knochen wurden in die Sonne gelegt. Ameisen knabberten die Knochenhaut ab, die UV-Strahlung vollendete das fettlösende Werk.

Mit der Entdeckung des Chlorkohlenwasserstoffs (CKW) als fettlösendes Mittel war damit Schluss. Die Chemikalie wurde auch in der Metallverarbeitung eingesetzt, um Fett von Materialien zu lösen, die weiter verarbeitet werden mussten — beispielsweise zum Verzinken. Den fettlösenden Charakter von CKW setzte auch die Textilindustrie ein, besonders häufig stoßen Behörden auf den Stoff im Grundwasser bei Reinigungen.

Auch im Brunnen und dem Betriebsgelände der früheren Schippers KG stellten Fachleute LCKW fest. Keine Behörde wusste, dass 1982 dort der Einsatz des Giftes eingestellt worden war. Der Kreis vermutet, dass innerhalb von 20 Jahren einige Tonnen des Giftes als Fettlöser eingesetzt wurde. "Es reichte eine undichte Gummilösung, aus der das Mittel ständig heraustropfte, um den Schaden anzurichten. Heute gibt es ganz andere technische Vorkehrungen", so Röder. Wie viel seinerzeit verwandt wurde, weiß niemand. Lieferscheine und Rechnungen dürften nicht mehr existieren.

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Der Kreis hat am Wochenende nicht nur Privatleute davor gewarnt, das möglicherweise belastete Grundwasser unter ihren Füßen zu nutzen. Landwirten wird dringend geraten, vor der ersten Beregnung das Grundwasser untersuchen zu lassen, damit kein CKW über Gemüse oder andere Kulturen verbreitet wird. Es reichert sich über Fett an, vor allem in der Leber und gilt als Auslöser von Krebs.

(RP/rl)