Viersen: Floriade 2014 - Park wartet auf Bestimmung

Viersen: Floriade 2014 - Park wartet auf Bestimmung

Vor zwei Jahren fand am Rand von Venlo die Weltgartenbauausstellung statt. Das Gelände ist seit 2013 frei für Besucher zugänglich.

Auf dem Parkplatz am Innovatoren ist reichlich Platz. Gut drei Dutzend Pkw stehen hier, vermutlich alle von Mitarbeitern der Firmen, die im weithin sichtbaren Wahrzeichen der Floriade 2012 arbeiten. Der zehngeschossige Torbau mit dem charakteristischen Luftbügel ist das einzige von der Autobahn aus erkennbare Relikt der Weltgartenschau vor zwei Jahren.

Die farbenfrohe Holzfassade gehört zum spanischen Ausstellungspavillon (links). Die historische St. Janskepel steht in einem Waldstück. Hinzugefügt wurden Standkreuz und Altar auf der Lichtung (rechts). Foto: Busch, Franz-Heinrich sen. (bsen)

Tausende Besucher überquerten damals die eigens angelegte Fußgängerbrücke über die Schnellstraße, die Venlo mit Nijmegen verbindet. Sie ist ebenso verwaist wie die ganze Infrastruktur aus Parkplätzen und Info-Pavillons sowie der gewaltigen Fahrradstellage. Die Floriade ist Geschichte - und doch lebendig. Denn das Gelände ist offen und kann von allen Seiten aufgesucht werden. Es empfiehlt sich eine Radtour mit gut gefülltem Picknickkorb über das weitläufige Areal. Die Imbisse und Snacks oder Restaurants sind geräumt oder abgebaut. Ruhe ist der Betriebsamkeit der Floriade-Tage gewichen.

An das Dach vom "Haus der Kulturen" in Berlin erinnert der Bühnenaufbau des Amphitheaters, während der belgische Pavillon einer aufgeklappten Grassode ähnelt. Foto: Busch, Franz-Heinrich sen. (bsen)

Nur auf dem weitgehend abgeräumten Hauptplatz vor dem Innovatoren tollen ein paar Kinder im Wasser des Springbrunnens, der in bestimmten Abständen feine Strahlen spuckt. Die Kleinen kreischen, ihre erwachsenen Begleiter dösen im Schatten der Bäume. Die Verkaufsstände für regionale Produkte sind leer und zeigen erste Verfallsspuren. Einige Schritte weiter steht der schon während der Floriade wenig ansehnliche Pavillon des Landes NRW neben dem von Aserbaidschan, der ebenfalls keine Schönheit ist.

Ein Blütengruß aus dem Präriegarten auf dem Gelände. Foto: Busch, Franz-Heinrich sen. (bsen)

Der Weg führt abseits durch den Wald zur St. Janskapelle. Hier wurde kürzlich noch ein Gottesdienst gehalten, die Spuren sind nicht zu übersehen. Die Bäume spenden an diesem Tag drückender Schwüle herrlich kühlen Schatten. Die Hitze flimmert einige Schritte weiter über den Pavillonbauten der einstigen Gastländer. Farbenfroh wie der Regenbogen ist die Außenwand aus Holzstäben bei den Spaniern. Der belgische Pavillon wirkt wie ein aufgeklapptes Stück Erde, das immer noch wunderschön und effektvoll bepflanzt ist. Überhaupt fällt auf, dass dienstbare Geister das Gelände in Ordnung halten, Rasenflächen sind gemäht, es liegt kein Unrat herum - und es gibt keine Graffiti.

...noch die geheimnisvollen Skulpturen des "Willowman" festhielt. Foto: Busch, Franz-Heinrich sen. (bsen)
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Die Showbühne des Amphitheaters hinter dem künstlichen See ist nachträglich überdacht worden - eine deutliche Anleihe am "Haus der Kulturen" im Berliner Tiergarten. Hinter den Pavillons aus Südostasien breitet sich eine weitere Seenlandschaft aus. Radwanderer haben es sich auf den hinausragenden Stegen gemütlich gemacht und genießen ihre wohlverdiente Pause.

Weiter geht es in einen anderen Teil des Geländes. In einem Wald ist ein Schafsgatter angelegt worden, wie es in vergangenen Jahrhunderten üblich war. Man geht durch ein Metalltor, in das Knöpfe eingelassen sind. Siehe da, auch die gesprochenen Erläuterungen dieser Anlage funktionieren zwei Jahre nach der Floriade noch. Minutenlang laufen vollkommen störungsfrei die ausführlichen Erläuterungen aus einer längst versunkenen Zeit, die ein körperbehinderter Viehtreiber aus Grubbenvorst unermüdlich vorträgt. Leer und ungenutzt sind die Gewächshäuser, wieder nur ein paar Schritte weiter. Hier boten Gartenbaubetriebe einen Einblick in Produktion und Leistungskraft, meist dicht umlagert waren ihre Stände. Die Liegewiese, auf der zeitweilig vor zwei Jahren kein Platz zu ergattern war, ist leer. Stehengeblieben ist der niederländische Pavillon, den man durch eine von Kastenlinden gebildete Allee erreichen kann. An den Wällen gegenüber blühen Stauden in allen Farben.

Im lichten Nadelwald in der Nähe eine leise Enttäuschung. Nichts hat der geheimnisvolle "Willowman" von seinen kunstvoll aus Ästen gefertigten Spiralkonstruktionen zurückgelassen. Auch nicht den Tunnel mit tausenden von Briefchen der Kinder, mit denen er hier seine Liebe zur Natur teilte. Will Beckers, wie er richtig heißt, hat in der Zwischenzeit seine wunderbar geheimnisvollen Skulpturen effektvoll am Toten Meer in Israel, in Belgien und in Italien aufgebaut: "Connecting Nature With People".

Fotos: F.-H. Busch (6), Ph. Peters (5)

(RP)
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