Nettetal Fledermäuse: Jäger der Nacht

Nettetal · Sobald die Dämmerung heranbricht, wachen die Säugetiere auf und suchen stundenlang nach Insekten. Im Morgengrauen kehren sie von den Seen und Teichen der Umgebung zurück in ihre Höhlen – um tagsüber zu schlafen.

 Eine Wasserfledermaus wohnt mit ihrem Nachwuchs im Kasten.

Eine Wasserfledermaus wohnt mit ihrem Nachwuchs im Kasten.

Foto: Busch, Franz-Heinrich sen.

Sobald die Dämmerung heranbricht, wachen die Säugetiere auf und suchen stundenlang nach Insekten. Im Morgengrauen kehren sie von den Seen und Teichen der Umgebung zurück in ihre Höhlen — um tagsüber zu schlafen.

 Der 78-jährige Ernst Holthausen pflegt Fledermäuse seit Jahrzehnten. Er bringt Nistkästen für die nachtaktiven Flieger an, reinigt und pflegt sie – und schaut dabei stets nach dem Rechten.

Der 78-jährige Ernst Holthausen pflegt Fledermäuse seit Jahrzehnten. Er bringt Nistkästen für die nachtaktiven Flieger an, reinigt und pflegt sie – und schaut dabei stets nach dem Rechten.

Foto: Franz-Heinrich Busch

Fledermaus. Allein das Wort löst im Kopf eines Menschen so viele Assoziationen aus, wie kein anderes Tier, das im Grenzland beheimatet ist. Er denkt an den Superhelden Batman und die Romanfigur Dracula. Er fürchtet, dass das fliegende Säugetier ihm etwas antun könnte — und dennoch fasziniert es ihn wie kein anderes. Die Biologische Station Krickenbecker Seen bietet 2012 vier Führungen zu den Fledermaus-Revieren der Region an. Zwei waren schon ausgebucht. Bei den anderen beiden sind nur noch wenige Plätze frei.

"Fledermäuse sind spannend, weil man sie nicht richtig greifen kann", sagt Steffi Pleines von der Biologischen Station. "Tagsüber sieht man sie gar nicht, nachts kann man sie kaum erkennen, weil sie im Schutz der Dunkelheit jagen." Entgegen diverser Vorurteile sind sie aber nicht auf der Suche nach Blut von Menschen und großen Tieren — sondern nach Fliegen und Mücken, Motten und Käfern.

In den Wäldern des Kreises Viersen leben derzeit mehr als 2000 Fledermäuse. Etwa die Hälfte sind Wasserfledermäuse, erklärt Experte Ernst Holthausen. Der Kaldenkirchener kümmert sich im Auftrag der Biologischen Station um die freilebenden Tiere, säubert die etwa 300 Holzbeton-Kästen an den Bäumen, in denen bis zu 100 Fledermäuse leben, sowie die etwa 150 Höhlen in den Eichen.

"Alle vier Tage wechseln die Tiere ihren Standort", sagt der 78-Jährige. Dann nämlich haben sie ihr Heim so sehr beschmutzt, dass Fliegen, Maden und Milben es belagern. Die zu fressen wäre den Fledermäusen zu einfach. "Sie wollen jagen", erklärt Holthausen.

Es hat mehrere Gründe, dass sich so viele Tiere im Grenzland niederlassen. Das Naturschutzgebiet bietet den Fledermäusen viele alte Bäume, die von innen hohl sind. Ein optimales Versteck. Steffi Pleines erklärt, dass "diese Bäume bei uns wegen der Spechte, Eichhörnchen und Fledermäuse besonders geschützt werden".

Zudem ist der Wald sehr dicht. In der Nacht dringt kaum Licht durch — und das soll auch so bleiben. Die Untere Landschaftsbehörde genehmigt in der Umgebung keine Feuerwerke oder Lichtshows. Die Tiere werden also nicht durch andere Lichtquellen oder Geräusche belästigt.

Ein weiteres Plus: Es gibt viele Seen und Teiche, die ruhig liegen und dicht bewachsen sind, etwa von Farnen. Dort leben Millionen Insekten. "Sobald die Dämmerung heranbricht, kriechen die Fledermäuse aus ihren Verstecken und sondieren ihr Revier", sagt Holthausen. Während der Große Abendsegler über den Baumkronen nach Nahrung sucht, fliegt die Wasserfledermaus tief. "Sie ortet ihre Beute per Echolot, fliegt an die Wasseroberfläche und schnappt sich die Insekten, die da herumschwirren." Das aber nur bis zum Morgengrauen. Dann fliegen die Jäger der Nacht heim — und rasten, bis es wieder dunkel wird.

(RP)
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