Nettetal: Feste Unterkunft für die Flüchtlinge

Nettetal : Feste Unterkunft für die Flüchtlinge

Die mehr als 20 Jahre alten Container am Caudebec-Ring in Lobberich sind in einem sehr schlechten Zustand. Die Stadt hat damit begonnen, nebenan ein festes Gebäude zu errichten, in dem 56 Menschen untergebracht werden können.

Ein Kran am Caudebec-Ring kündet schon aus der Ferne von intensiven Bautätigkeiten. Zwischen dem Kindergarten der Bongartzstiftung an der Mühlenstraße und den Containern für Asylbewerber und Flüchtlinge wächst ein Gebäude in die Höhe. Es handelt sich um den Ersatzbau für eben jene Container, die in einem erbarmungswürdigen Zustand sind. Eine große Wahl hatte die Stadt nicht. Entweder sie ersetzte die Container oder sie musste eine andere Lösung finden.

Der Rat entschied sich im Sommer vergangenen Jahres für den Bau eines Mehrfamilienhauses in schlichtester Bauweise. Undichte Dächer, Schimmelpilz in einigen Räumen und eine Trinkwasserversorgung, die das Kreisgesundheitsamt auf den Plan riefen, zwangen die Stadt zum Handeln. Die Flüchtlingshilfe NRW und die evangelische Kirchengemeinde hatten zuvor auch darauf gedrungen, die Flüchtlinge in Nettetal menschenwürdig unterzubringen.

Die Reparaturen hätten nach Angaben der Technischen Beigeordneten Susanne Fritzsche 130 000 Euro gekostet - ohne Garantie für die Haltbarkeit. "Die Substanz ist schlecht, die tragende Konstruktion ist korrodiert, im Prinzip ist die durch", sagte Fritzsche im Juni vergangenen Jahres. Außerdem sei nichts gedämmt, die Heizkosten fielen entsprechend hoch aus. Die Anschaffung neuer Container hätte den Nettebetrieb 620 000 Euro gekostet. Baue die Stadt ein festes Gebäude für den Bedarf, sei mit Kosten in Höhe von 700 000 Euro zu rechnen. Schallschutz und andere Anforderungen könnten den Bau noch verteuern. Er wäre aber länger haltbar als eine Containerlösung. Außerdem könne das Gebäude später anderen Wohnzwecken dienen.

Das gab den Ausschlag dafür, keine Container mehr zu reparieren oder neu aufzustellen. Der Neubau wird in Massivbauweise errichtet und erhält eine verklinkerte Fassade. Das Obergeschoss wird über zwei Stahltreppenanlagen mit offenem Laubengang erschlossen. Die Unterkunft besteht aus sieben Wohneinheiten, drei davon sind im Erdgeschoss, vier im Obergeschoss angeordnet. Sie wird 56 Personen beherbergen können. Im Untergeschoss befinden sich zusätzlich Büro und Technik (Hausanschlussraum), Aufenthaltsbereich sowie ein Wäscheraum. Die Baukosten werden inklusive der Honorare bei rund 787 000 Euro brutto liegen. Fertig werden soll das Gebäude Anfang November. Der Verbrauch für Strom und Wasser wird vermutlich zunehmen, dafür aber sinken die Heizkosten.

Nach einer Phase der Beruhigung wächst die Zahl der Menschen, die sich um Asyl bemühen. Zum 31. März wohnten nach Angaben der Stadt Nettetal 155 Asylbewerber im Stadtgebiet. Im Juli vergangenen Jahres waren noch 102 Asylbewerber registriert. Die Tendenz ist steigend, denn 2009 und 2010 wurden der Stadt jeweils 18 Personen neu zugewiesen, 2011 waren es 28, im Jahr 2012 dann 37 Personen. Im vergangenen Jahr kamen bereits 58 Menschen dazu, in den ersten vier Monaten dieses Jahres wurden der Stadt 50 Menschen zugewiesen.

Erwartet wird, dass sich die letztjährige Zuweisungszahl verdoppeln kann. Eine genauere Prognose sei schwierig, erklärt die Stadt. Das macht auch die Disposition von weiterem Wohnraum entsprechend schwieriger. Die Ausgaben für die Stadt Nettetal haben sich erhöht - 200 000 im Jahr 2011 auf rund 600 000 Euro im vergangenen Jahr. Die Stadt bringt Flüchtlinge nicht nur in Sammelunterkünften unter, sondern mietet seit geraumer Zeit schon Wohnungen an. Es geht vor allem darum, Familien angemessenen und gemeinschaftlichen Wohnraum anzubieten. Die Sammelunterkünfte wurden in den vergangenen Jahren weitgehend aufgegeben.

(RP)
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