Ferienintensivtraining "Fit in Deutsch" in Nettetal-Kaldenkirchen

Kaldenkirchen : Beim Kochen über Akkusativ diskutieren

44 Nettetaler Kinder aus zugewanderten Familien nehmen am zweiwöchigen Ferienintensivtraining „Fit in Deutsch“ teil. In der Gemeinschaftshauptschule Kaldenkirchen lernen sie, die neue Sprache in Alltagssituationen anzuwenden.

Lecker duftet es in der Küche der Gemeinschaftshauptschule Kaldenkirchen. Um die Herdplatten herum stehen Kinder und Jugendliche. „Wir machen Brotsalat, braten erst Brotwürfel in Öl an, dann kommen Paprika, Rucola und andere Zutaten dazu“, verrät Ali. Der 17-Jährige spricht recht gut Deutsch, winkt aber bescheiden ab: „Geht so, ich lerne hier viel dazu.“ Ali macht mit beim zweiwöchigen Ferienintensivtraining „Fit in Deutsch“ für Schüler, die nicht oder nur wenig Deutsch können. Die Maßnahme der Stadt Nettetal für 44 Kinder und Jugendliche wird durchgeführt in Kooperation mit der Flüchtlingshilfe Nettetal und dem Kommunalen Integrationszentrum Kreis Viersen.

Kochen, Verkehrserziehung, Naturerkundung stehen auf dem Programm. „Es geht ja nicht um Unterricht, sondern vielmehr darum, die Sprache in konkreten Alltagssituationen zu erlernen und anzuwenden“, erläutert Gina Romany. Die Lehrerin und ihre drei Kolleginnen nahmen an einer zweitägigen Schulung der Landesweiten Koordinierungsstelle Kommunale Integrationszentren teil, um sich als Sprachbegleiterinnen zu qualifizieren. Zwei Kurse leiten sie bis zum 26. Juli, 21 Kinder aus Grundschulen nehmen am Kurs Primarstufe teil, 23 aus allen weiterführenden Schulen am Kurs Sekundarstufe I.

„Die Kinder bekommen so etwas Rüstzeug, um hier bei uns eigenständig leben zu können“, erklärt Bürgermeister Christian Wagner (CDU) bei einem Besuch. Geflüchtete Menschen zu integrieren, darum gehe es. Die Initiative ging von der Flüchtlingshilfe Nettetal aus. Vorstandsmitglied Wilfried Niederbröcker sagt: „Ich habe Familien besucht, um sie davon zu überzeugen, dass die Kurse für ihre Kinder sinnvoll seien.“ Monika Ioannidis von der Stabsstelle Integration der Stadt ergänzt: „Die Herkunftsländer dieser Familien sind zum Beispiel Syrien, Irak, Pakistan, Türkei oder Indien.“

Seit 2018 gibt es das vom NRW-Schulministerium entwickelte Programm „Fit in Deutsch“ für zugewanderte Schüler. Sie sollen dadurch die Möglichkeiten erhalten, „in den Ferien ihre Deutschkenntnisse zu vertiefen und zudem im Alltag anzuwenden“, wie das Ministerium definiert. Im Kreis Viersen machen von dieser Möglichkeit die Kommunen Viersen, Nettetal und Schwalmtal Gebrauch, sagt Mathilde Holthmanns vom Kommunalen Integrationszentrum. Sie lobt das Nettetaler Konzept, „das sich so lebendig konkret am Alltag orientiert“.

Zum Programm gehören Exkursionen zum Naturschutzhof und zur Sequoiafarm, ein Erste-Hilfe-Kurs und ein Fußballturnier. Dass dabei das Erlernen der Sprache und die Vertiefung der Kenntnisse nicht zu kurz kommen, ist in der Küche der Hauptschule zu erleben: Kinder diskutieren während des Kochens über die Frage, ob auf die Präposition „gegen“ der Dativ oder der Akkusativ folge. „Die Schüler helfen sich gegenseitig, wir Sprachbegleiterinnen ermuntern sie dazu, statt einfach zu dozieren“, sagt Romany.

In der Küche wird weiter gebraten und gekocht. Yasmin reicht Häppchen für den kleinen Hunger, belegt mit Käse, Tomaten, Gurken. Die 13-Jährige aus Breyell, deren Familie aus dem Irak stammt, freut sich: „Es macht Riesenspaß, alle sind nett und es schmeckt lecker!“, sagt sie.

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