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Nettetal: Fast wie im richtigen Praktikum

Nettetal : Fast wie im richtigen Praktikum

Zum ersten Mal fand ein Planspiel zur Berufsvorbereitung im Jugendzentrum Oase statt. 52 Schüler bewarben sich für ein Praktikum und bekamen Einblicke in verschiedene Berufe.

Arlind Simnica nimmt den Wagen genau unter die Lupe. "Mit dem linken Scheinwerferlicht ist etwas nicht in Ordnung", sagt der Jugendliche. Auch das Reifenprofil misst der Praktikant und stellt fest: "Zwischen vier und fünf Millimeter." Referent Stefan Mewissen ist Kfz-Mechaniker und gibt den Interessierten Tipps für den Lampen-Check, die Kontrolle der Motoröle und der Profiltiefe der Reifen. Alles ist zwar ein Spiel, doch die Jugendlichen müssen sich so verhalten wie bei einem richtigen Praktikumsplatz. Die Referenten legen auf Kompetenzen wie Pünktlichkeit, Auftreten, Motivation und soziales Verhalten großen Wert. Alle Räume im Jugendzentrum Oase sind belegt. An den Türen hängen Schilder der jeweiligen Nettetaler Firmen, die vorrangig aus den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik kommen (die sogenannte MINT-Gruppe) und den Jugendlichen einen Vormittag in ihren Alltag Einblick gewähren.

Bei Dachdecker Hendrik Tzotschel sind Nico Hüttig (15) und Niklas Köster (16) dabei, ein Dach zu decken. Dabei erklärt Tzotschel den Jungen, worauf es ankommt. An den Brettern befestigen die beiden eine blaue Folie, darauf legen sie vorsichtig einige Dachziegel. Dabei werden sie genau vom Fachmann und Sabine Bischof, Jugendbeauftragte für Kirchliche Jugendarbeit, beobachtet. Jeder der 52 Schüler hat das Angebot der Schule gern angenommen und ein Betriebsheft, in das die Referenten ihre Bewertungen eintragen. Auch sollen die Schüler der zehnten Klassen der Comenius-Förderschule Hinsbeck, der Städtischen Gemeinschaftshauptschule Lobberich am Ingenhovenpark und der Gemeinschaftshauptschule Kaldenkirchen eine Selbstbewertung in ihrem Heft vornehmen. "Die Jugendlichen kommen insgesamt drei Mal zu verschiedenen Aufgaben in ihrem Praktikum, dabei ist Pünktlichkeit enorm wichtig", erklärt Sabine Bischof.

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Das scheint bei Einigen zu Stress zu führen: Während die einen mehrmals nachfragen müssen, notieren sich andere ihre Uhrzeit auf den Handrücken, wieder Andere stellen sich den Wecker im Handy, um nicht zu spät zu kommen. Marie-Luise Hellekamps hat im Obergeschoss an der "Voll-Krass- und Lackstation" viel zu tun. Denn die Schüler, die den Referenten durch Kaugummikauen, Hände in den Taschen, Kopfhörer im Ohr, Handy oder Unpünktlichkeit auffallen, müssen sich "den Lack abholen". Dabei sprüht Hellekamps den Mädchen und Jungen einen bunten, auswaschbaren Kreis in die Haare, und es geht zum Einzelgespräch. Dass sie sich an strenge Regeln halten müssen, finden die Teilnehmer gut. Auch die Bewertungen der Referenten können sie nachvollziehen.

Nach ihren Interessen und einem Bewerbungsgespräch sowie Allgemeinwissentest haben die Veranstalter die Jugendlichen auf die Firmen aufgeteilt. Sie können in Bereiche wie Elektro, Malertätigkeit, Einrichtung, Dachdecker, Apotheker oder Autowerkstatt schnuppern. "Es geht auch darum, dass die Jugendlichen erkennen, dass ein Praktikum ernstzunehmen ist und es Regeln gibt", sagt Eva Cappel vom Jugendzentrum Oase. Auch die Erkenntnis, dass der Beruf nichts für den Jugendlichen ist, bringt die Zehnklässler weiter und soll ihnen die Entscheidung für das richtige Praktikum erleichtern.

(janj)