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Nettetal: Fast-Food-Produkte auch für Muslime

Nettetal : Fast-Food-Produkte auch für Muslime

Das Unternehmen Mekkafood ist ein erfolgreicher Produzent und Händler im Agrobusiness. Vom Hauptsitz in Kaldenkirchen aus gehen sogenannte Halal-Produkte in Handel und Gastronomie.

Woud van Eewijk hatte vor gut zwanzig Jahren eine Idee, die notorische Agrobusiness-Skeptiker vermutlich belächelt hätten. Der Venloer Einzelhändler hatte sich soeben von seinem Geschäft durch lukrativen Verkauf getrennt, wollte sich mit 48 Jahren aber dennoch nicht zur Ruhe setzen. Er wollte Essgewohnheiten von Okzident und Orient miteinander verknüpfen und gründete Mekkafood.

"Niederländer lieben Snacks. Sie essen Frikandel, Hackbällchen, Burger und ähnliche Produkte. Sie werden fast ausschließlich aus Schweinefleisch hergestellt. Warum also sollte man nicht für Muslime solche Snacks so herstellen, dass sie sie auch essen können?" erklärt Geschäftsführer Frank Verhage. Speisen, die muslimischen Vorschriften entsprechen, nennt man Halal. Mekkafood stieß in eine Marktlücke mit Produkten, die im Laufe der Jahre immer weiter entwickelt und verfeinert wurden.

Die Produktionspalette des am Herrenpfad-Süd in Kaldenkirchen und in Venlo niedergelassenen Unternehmens ist umfassend und hat sich längst auf unterschiedliche Bedürfnisse eingestellt. Mekkafood beliefert traditionelle Einzelhandelsgeschäfte ebenso wie die Gastronomie oder auch Supermärkte (Retail). Mit 150 Mitarbeitern an beiden Standorten — darunter sind etliche Zeitarbeiter — erwirtschaftet Mekkafood etwa 25 Millionen Euro Umsatz im Jahr.

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Zunächst war es daher ein Schock, als in der vergangenen Woche einige niederländische Medien berichteten, Mekkafood produziere nicht "halal". Eine Gruppe muslimischer Journalisten, die sich "Halalpolitie" (Halal-Polizei) nennt, warf Mekkafood vor, gegen die strengen Regeln bei Zutaten und Zubereitung zu verstoßen. Ins Visier nahm die selbst ernannte Lebensmittelüberwachung dabei die angebliche unzureichende Zertifizierung. Frank Verhage weist dies zurück. Das Unternehmen sei zertifiziert, aber die Halalpolitie erkennt den "Diplomatic Council" nicht an, auf den sich Mekkafood beruft. Dahinter stehe ein Bündnis aus Diplomaten und Religionsexperten muslimischer Herkunft, auf das sich Mekkafood stütze. "Es gibt aber kein standardisiertes Verfahren, das ist in der Tat eine Lücke", räumt Verhage ein.

Nach Gesprächen mit der Halalpolitie einigten sich beide Parteien darauf, eine zweite Zertifizierung über eine Einrichtung namens Halal Europe in Aachen vorzunehmen. Es handelt sich um ein Institut, das weltweit anerkannt ist und mit zahlreichen Institutionen auf nationaler und internationaler Ebene zusammenarbeitet. Abgestimmt wird das Vorgehen mit der niederländischen CMO, einem Komitee für die Beziehungen zwischen Muslimen und Regierung in den Niederlanden.

"Uns ist erst jetzt richtig bewusst geworden, dass wir Marktführer auf dem Gebiet sind", erklärt Frank Verhage. Längst haben auch andere Unternehmen der Lebensmittelindustrie erkannt, welche Absatzmärkte sich ihnen eröffnen, wenn sie Pizza, Döner, Frikandel, Hackbällchen und andere Produkte der Nahrungsmittelbranche so zubereiten, dass auch Muslime unbesorgt zugreifen können. Mekkafood sei aber immer noch Schrittmacher auf diesem Gebiet und arbeite mit Lieferanten zusammen, die die Vorschriften ebenfalls sehr korrekt einhalten, versichert Verhage.

Das Nettetaler Unternehmen verarbeitet Fleischprodukte, in Venlo werden die Teigwaren hergestellt. Die Marke findet jeder in den Tiefkühlbereichen von Einzelhändlern und Großmärkten. "Viele Nicht-Muslime greifen hier auch zu, der Markt öffnet sich bei den Endverbrauchern in eine andere Richtung. Liebhaber orientalischer Speisen entdecken uns zunehmend", stellt Verhage fest. Von Nettetal aus wird daher eine neue Linie entwickelt und vermarktet, die unter der Bezeichnung "Herrenhof" läuft. In Nordrhein-Westfalen, Niederlande und Belgien hat Mekkafood den Hauptmarkt, das Unternehmen hat weitere Niederlassungen in Mannheim, München und Mechelen (Belgien).

(RP)