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Nettetal: Familienbüro statt Jugendamt

Nettetal : Familienbüro statt Jugendamt

Jochen Müntinga wird Leiter des eigenständigen Jugendamtes Nettetal, das am 1. Januar 2012 einsatzbereit sein soll. Eltern sollen Ängste vor dem Amt verlieren, es soll stärker regional verankert werden.

Jochen Müntinga hat ziemlich klare Vorstellungen. "Wir wollen möglichst 24 Stunden erreichbar sein, wollen vor Ort Ansprechpartner haben und einen stärkeren regionalen Schwerpunkt setzen", sagt der 39-Jährige. Damit umreißt er das Aufgabengebiet, das auf ihn als Leiter des Jugendamtes Nettetal zukommt. Einziger Haken: Diese Einrichtung gibt es noch gar nicht, bislang ist der Kreis Viersen dafür zuständig.

Das wird sich aber ändern. Seit fünf Jahren laufen Planungen für ein eigenes Jugendamt Nettetal, am 7. Juli wird nun ein Grundsatzbeschluss über die Organisation des Jugendamtes in den Rat eingebracht. In Gesprächen mit dem Kreis haben Bürgermeister Christian Wagner und der Erste Beigeordnete Armin Schönfelder die Rahmenbedingungen abgesteckt: Auf "21, 22 Mitarbeiter" habe man sich "einvernehmlich geeinigt", so Wagner, zwölf volle Stellen will er vom Kreis übernehmen. Zunächst können sich Mitarbeiter intern bewerben, die letzten freien Stellen werden extern vergeben. "Wir wollen eine Mischung aus bewährten und neuen Kräften", betont Wagner.

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Und da ist ein neuer Leiter natürlich ein guter Anfang. Müntinga leitet noch den Allgemeinen Sozialen Dienst (ASD) in Kamp-Lintfort, hilft aber schon bei wichtigen Terminen in Nettetal aus, und soll ab August komplett in seinen neuen Job wechseln. Von 38 Bewerbern durften sich zehn bei Bürgermeister Wagner persönlich vorstellen, vier kamen in die engere Wahl, Müntinga gewann. "Er ist mit Herz und Verstand dabei", lobt Wagner. "Wir haben uns einvernehmlich auf ihn geeinigt. Das ist ein Vertrauensvorschuss, der aber gerechtfertigt ist." Müntinga wiederum freut sich auf seine neue Aufgabe: "Ich finde es spannend, ein Jugendamt aufzubauen und eigene Schwerpunkte, vor allem regionale, zu setzen."

Dafür setzt Müntinga auf einen regen Austausch mit Schulen, Kindergärten, freien Trägern und vor allem den Familien. Diese sollen mögliche Ängste vor dem "Jugendamt" verlieren. "Leute, die Sorgen und Nöte haben, sollen nicht zu ,dem Jugendamt' gehen müssen mit der Angst, dass ihnen das Kind weggenommen wird", betont Wagner und nennt als Lösung das "Familienbüro". Das klingt freundlicher und soll im Rathaus untergebracht werden — da das Jobcenter bis zum Jahresende dort auszieht, werden Räume frei. Zudem soll das Familienbüro "in die Stadtteile hinein" getragen werden, sagt Wagner. Eine Vernetzung mit den Familienzentren wird überlegt. Müntinga fasst zusammen: "Wir werden nicht alles für alle leisten, sondern Ansprechpartner für Jugendliche sein, die Unterstützung brauchen."

(RP)