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Nettetal: Falscher Arzt psychisch krank

Nettetal : Falscher Arzt psychisch krank

Die Augen hat er fest geschlossen, der Kopf ruht auf seiner Hand – Hans-Peter B. scheint nicht daran interessiert zu sein, was gerade im Saal 157 am Krefelder Landgericht über ihn gesagt wird. Demonstrativ dreht er dem Gutachter Dr. Martin Platzek, der die zweite Große Strafkammer nun über die psychischen Erkrankungen des Angeklagten aufklärt, seinen Rücken zu. Ermahnungen des Richters Herbert Luczak zeigen keine Wirkung: Hans-Peter B. tut so, als ob er schliefe. "Er hört sehr interessiert zu. Da bin ich mir sicher", sagt Platzek.

Die Augen hat er fest geschlossen, der Kopf ruht auf seiner Hand — Hans-Peter B. scheint nicht daran interessiert zu sein, was gerade im Saal 157 am Krefelder Landgericht über ihn gesagt wird. Demonstrativ dreht er dem Gutachter Dr. Martin Platzek, der die zweite Große Strafkammer nun über die psychischen Erkrankungen des Angeklagten aufklärt, seinen Rücken zu. Ermahnungen des Richters Herbert Luczak zeigen keine Wirkung: Hans-Peter B. tut so, als ob er schliefe. "Er hört sehr interessiert zu. Da bin ich mir sicher", sagt Platzek.

Die Diagnose steht nun für den Gutachter fest: Hans-Peter B. leidet schon seit Jahren unter multiplen Persönlichkeitsstörungen. Sie seien Schuld daran, dass er 1995 in die Rolle des Arztes "Dr. med. Hans-Peter B." schlüpfte und Menschen aus dem Kreis Viersen "behandelte". In den ersten Jahren nahm er schriftlichen Kontakt mit Ärzten auf, die ihn als Kollegen bezeichneten und ihn so in seiner Rolle bestätigten. Fortan glaubte er, er sei "ein Untergrundarzt, der den Armen hilft."

Ein Unrechtsbewusstsein fehle bei Hans-Peter B.. Der 45-Jährige habe in der Überzeugung gehandelt, den Menschen etwas Gutes zu tun. Sein vordergründiges Ziel, die Menschen als Arzt zu behandeln, lies ihn, laut Gutachter, nicht mehr los. Als sich 2001 seine "Patienten" von ihm abwendeten, weil sie laut Zeugenaussage Angst vor ihm bekamen, wollte Hans-Peter B. nicht aufgeben. Immer wieder versuchte er sie zu überzeugen, sich weiterhin von ihm behandeln zu lassen.

Dieser Übereifer wurde ihm zum Verhängnis — die Menschen wurden misstrauisch und zeigten ihn schließlich an. Wie es dazu kam, dass sich die Geschädigten Hans-Peter B. anvertrauten, kann Dr. Platzek ebenfalls erklären. "Hans-Peter B. war immer ausgesucht gekleidet und sehr gepflegt." Anzeichen einer Verwahrlosung bestanden zu diesem Zeitpunkt nicht. Der 45-Jährige habe sich immer sehr gewählt ausgedrückt. Seine Wohnung sei geschmackvoll, wenn auch spärlich eingerichtet gewesen.

Auf den ersten Blick habe Hans-Peter B. nie den Eindruck gemacht, unter einer psychischen Erkrankung zu leiden. Dazu käme, dass er sich gut in andere Menschen einfühlen könne. In Gesprächen habe er sich immer sofort seinem Gegenüber und der Situation angepasst. Eine Unterbringung in einer psychiatrischen Einrichtung sei für Hans-Peter B. keine Strafe, sagt Platzek. Er würde mit den Therapeuten Katz und Maus spielen, eine Aussicht auf einen Therapieerfolg bestehe kaum. Er werde auch in Zukunft weiterhin in verschiedene Rollen, wie die eines Arztes oder eines Rechtsanwaltes, schlüpfen. Für eine Untersuchung verbrachte Hans-Peter B. bereits zehn Tage in den Rheinischen Kliniken in Langenfeld. Dort habe er nach drei Tagen begonnen, die schwächeren Patienten zu manipulieren und gegen die Therapeuten aufzuhetzen. Nur eine Haftstrafe könne auf den 45-Jährigen noch Eindruck machen.

(RP)