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Nettetal: Expedition in das Königreich der Orgel

Nettetal : Expedition in das Königreich der Orgel

Eine biblisch-poetisch-musikalische Reise ins Land der "Königin der Instrumente"

Die große Koch-Lorenz-Orgel der Lobbericher Kirche St. Sebastian erklang nach mehr als einjährigem Schweigen - bedingt durch Generalreinigung und Neu-Intonation - pünktlich zum Gloria in der Osternacht. So lag es nahe, den Orgelfreunden auch einmal hautnah die Schönheiten und vielfältigen Interpretationsmöglichkeiten der auf drei Manuale und Pedal verteilten 52 Register (= unterschiedliche Klangfarben) vorzuführen. Kirchenvorstandsmitglied und Orgelfreund Dr. Bastian Rütten musste zu einem Emporenkonzert den gebürtigen Hinsbecker Elmar Lehnen, der seit fünfzehn Jahren als Basilika-Organist in Kevelaer wirkt, nicht lange bitten. Er kam ja "nach Hause", wie er strahlend bemerkte. Und die Freunde der "Königin" füllten die Orgelempore bis in den letzten Winkel. Lehnen gilt als begnadeter Improvisator, geschult und immer wieder inspiriert durch Professor Wolfgang Seifen.

Dr. Bastian Rütten hatte ganz unterschiedliche Texte ausgewählt, um zu den die Orgel in ihrer Vielfalt vorzustellenden Improvisationen hinzuführen. Da war in einem Morgenstern-Gedicht von einem "niederrauschenden Tönemeer" die Rede, die Geschichte von Josua und der Schlacht von Jericho animierte den Improvisator zu von Trompeten und Posaunen dominierten Klangballungen, bei denen auch der alte Osterhymnus "Christ ist erstanden" nicht fehlte. Eine Hermann Hesse-Geschichte sah "Musik als Gebet", darauf hatten die leisen Register das Wort. Eine Holzwurm-Erzählung (dieser Schädling wurde zum Glück in St. Sebastian nicht auch noch gefunden) animierte zur "humoristischen Orgel".

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Elmar Lehnen nicht nur zuzuhören, sondern auch zuzusehen, ist ein Erlebnis besonderer Art. Fast mutet es selbstverständlich an, dass er über atemraubende technische Fertigkeiten verfügt, er scheint aber sogar auch mehr Hände zu haben als ein "normaler Mensch", so blitzschnell betätigt er während des Spielens die Registerklappen, um immer wieder neue Klangkombinationen zu zaubern. Die Einfälle scheinen ihn offenbar wie Blitze zu überfallen, nie ist man vor Überraschungen gefeit.

Zwei Publikumswünsche erlebte das begeisterte Auditorium zum Abschluss: "Wer nur den lieben Gott lässt walten" als konsequent durchgeführtes Choralvorspiel im Stile Johann Sebastian Bachs und das Marienlied "Wunderschön prächtige", als Stilmix à la César Franck und Igor Strawinsky - eine äußerst komplizierte Aufgabe, die Lehnen bravourös meisterte. Mit einem Gedicht von Luise Rinser und dem gemeinsam gesungenen Lied "Der Mond ist aufgegangen" ging eine hoch interessante Orgelstunde besinnlich zu Ende.

(oeh)