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Evangelische Gemeinde Kaldenkirchen plant keinen Bibelgarten mehr

Projekt in Kaldenkirchen : Langsamer Abschied vom Bibelgarten

Die Evangelische Kirchengemeinde hat entschieden, ihr Projekt Bibelgarten-Gemeindegarten an der Friedrichstraße nicht zu verwirklichen. Es fehlte an Ehrenamtlern. Das gesammelte Geld soll in die Orgelrenovierung fließen.

Die Idee ist schon einige Jahre alt und kam aus der Mitte der Evangelischen Kirchengemeinde. Auf dem Gelände des ehemaligen Pfarrgartens hinter dem Jugendzentrum „Spielecafé“ könnte man gut einen Bibel- oder Gemeindegarten anlegen, der dann für alle Gemeindeglieder als Ort der Erholung offen sein sollte. Mit Bibelgarten ist ein Themengarten gemeint, in dem die in der Bibel erwähnten oder in der biblischen Welt vorkommenden Pflanzen gezeigt werden.

In den meisten Bibelgärten werden Olivenbäume, Weinstöcke, Disteln und natürlich der Granatapfelbaum oder -strauch gepflanzt. Dazu kommen Exoten wie der Sodomsapfel, Mastixstrauch, Tabor- oder Palästinaeiche, Papyrus oder Taumel-Lolch. Neben den Erholungsort trat somit eine lehrreiche Funktion. Für Kaldenkirchen gab es sogar schon einen ersten Entwurf einer Gartenarchitektin.

Pfarrer Andreas Grefen ist seit neun Jahren in der Gemeinde. Er beansprucht nicht, einen grünen Daumen zu haben. Das fußballfeldgroße Grundstück wurde nicht bewirtschaftet, es dient dem Jugendzentrum als Spielgelände. Für die Jugendlichen ist der wilde Garten eine Gelegenheit zum Toben. Dort kann man auf Bäume klettern.

Pfarrer Grefen findet die Grundidee sehr schön. Aber es habe nie ein richtiges Konzept gegeben. Den Garten professionell zu pflegen, wäre finanziell ein „Riesending“ geworden. Unbeantwortet waren auch die Fragen, wie man einen solchen Bibelgarten nutze oder bewerbe. Es gab durchaus Ehrenamter, die sich dafür einsetzen würden, aber für das große Gelände waren es zu wenige, die kontinuierlich dafür bereitstanden. Pfarrer Grefen: „Viele Garten- und Naturliebhaber in unserer Gemeinde waren zwar interessiert und bereit, mit Rat zur Seite zu stehen, aber vor allem die Älteren hatten oft selber einen großen privaten Garten zu pflegen und sahen sich nicht in der Lage, auf längere Sicht dieses Projekt ehrenamtlich zu begleiten.“

Obwohl es gar keinen Umsetzungsbeschluss des Presbyteriums gab, wurde bei Gemeindefesten oder Weihnachtsbasaren eifrig Geld gesammelt. So kamen bereits stolze 4444,86 Euro zusammen. Das Geld soll jetzt in die Orgelrenovierung fließen.

Für Deutschland werden in manchen Publikationen derzeit 160 Bibelgärten genannt, andere sprechen nur von 26. Der erste deutsche Bibelgarten wurde 1979 in Hamburg angelegt. Er ist der einzige Bibelgarten, der von Botanikern konzipiert wurde. Der nächstgelegene Bibelgarten befindet sich in Neuss. Rund um die Pfarrkirche St. Kamillus im Stadionviertel am Glehner Weg wurde 2010 ein Bibelgarten angelegt. Pflanzen, die in den Evangelien genannt werden, sind dort gepflanzt und mit erklärenden Schildern versehen. Im Heiligen Land wären der Bibelpfad im Botanischen Garten in Jerusalem und der biblische Pflanzenpark „Neot Kedumim“ östlich von Tel Aviv zu nennen. Auch in den USA haben Bibelgärten eine lange Tradition.