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Nettetal: Es sprießt meist an den falschen Stellen

Nettetal : Es sprießt meist an den falschen Stellen

Die Verwaltung hat ein Konzept zur Pflege der Grünflächen aufgestellt. Denn optisch macht Nettetal wenig her. Allerdings sind viele Straßen auch in einem erbärmlichen Zustand. Ursache ist die Rotstift-Politik.

Der Frühling ist da, und es sprießt das Grün. Genau da liegt das Problem für die Stadt Nettetal. Sie hat nämlich weder das Geld noch die Mitarbeiter, die Wiesen, Grünstreifen und Beete im städtischen Eigentum so pflegen, dass das ordnungsliebende Auge des Bürgers zufriedengestellt werden kann. Nichts ruft offensichtlich mehr Ärger hervor, als ungehindert wuchernde Kräuter, Gräser, Sträucher und Bäume.

Knapp dreißig Jahre lang hat sich die Stadt immer planloser durchs immer üppiger werdende Unterholz gewurschtelt. Das Instrumentarium reichte schließlich weder vorne noch hinten. Denn die weisen Stadtväter und -mütter haben das Personal munter zusammengestrichen (Beamten und langjährige Angestellten im öffentlichen Dienst kann man kaum kündigen), aber gleichzeitig die zu pflegenden Flächen immer mehr ausgedehnt. So gibt man fürs Personal weniger Geld aus, aber die Optik leidet.

Der Nettebetrieb hat jetzt ein neues Konzept zur Pflege der Grünflächen aufgestellt. Bezeichnend für den Umgang mit solchen Themen ist, dass der Fachausschuss intensiv über Formalia stritt, aber über den Inhalt kaum ein Wort verlor. Die müssen nun in den Fraktionen erst geklärt werden. Immerhin aber steht fest, dass Bürgermeister Wagner zwei Mitarbeiter unter anderem fürs Unkrautrupfen einstellen darf. Das war im Stellenplan aber ohnehin mit dem Haushalt 2013 so beschlossen worden.

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Aber nicht nur die offiziellen Grünflächen haben unter mangelhafter Pflege gelitten, auch Straßen der Stadt sind so schlecht, dass sie dauernd geflickt werden müssen. Für neue Straßen fehlt das Geld, außerdem gehen sofort Anwohner auf die Barrikaden, wenn sie nach geltender Gesetzeslage an den Kosten beteiligt werden sollen. Das Schlagloch vor der eigenen Tür nimmt der Nettetaler klaglos hin. Nicht das in der nächsten Nebenstraße.

"Zwischenzeitlich haben die Nettetaler Straßen einen Zustand erreicht, bei dem auch vermehrt Unterhaltungsarbeiten anfallen. Die Auswirkungen sind inzwischen so stark, dass die Abarbeitung zum Teil mit nicht hoher Nachhaltigkeit erfolgt", heißt es reichlich verschwurbelt in der Vorlage des Ausschusses. Die Sicherheitskontrollen seien "bis an die Grenzen des nach der Rechtsprechung Zulässigen gesenkt" worden. Auch hier macht sich dasselbe Dilemma wie beim Grün bemerkbar: Seit Anfang der 1990er-Jahre hat sich die Stadt einen schlanken Fuß gemacht, indem sie fünf Stellen abbaute und auf die Billigversion von drei Bürgerarbeitern setzte.

Im jetzt vorgelegten Konzept listet die Verwaltung auf, wo es hakt und was sie zu tun gedenkt. Darunter steht die Erfindung von famosen "Glanzpunkten". Ausgewählte Flächen, beispielsweise an Ortseingängen und in Ortszentren oder an bestimmten Gebäuden, sollen "hochwertig" ausgestattet und intensiv gepflegt werden. Klug, wie die Verwaltung ist, überlässt sie der Politik und den Bürgern festzulegen, wo sie gestalterische Glanzpunkte erblicken. Zur Pflege sollen auch die VVV, Werberinge und vergleichbare Vereine sowie Bürger animiert werden. Blumenzwiebelpatenschaften werden bestimmt auch gern gesehen.

(RP)