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Kreis Viersen: Es ist Wahlabend, aber die Politiker schwänzen

Kreis Viersen : Es ist Wahlabend, aber die Politiker schwänzen

Stell dir vor, es ist Wahlabend, und viele Bürger kommen ins Forum, aber die Politik sitzt zu Hause auf der Couch im warmen Wohnzimmer.

Kurz vor 18 Uhr strömten einige Dutzend Bürger ins Forum am Kreishaus — manche erkennbar unsicher, ob sie denn willkommen seien. Im Laufe der nächsten halben Stunde kamen in diesem Jahr recht viele Menschen, weil sie einmal unmittelbar einen Wahlabend miterleben wollten. Bedient hat sie die Kreisverwaltung sehr gut mit der Übertragung der Sendungen in ARD und ZDF — von der ersten Prognose um 18 Uhr bis nach 21 Uhr, als das Wahlergebnis immer klarer wurde und die Spannung weitgehend weg war.

Leider blieb — ausgerechnet — die Politik den Bürgern Anwesenheit schuldig. Ja, es waren die Kandidaten der Parteien da — wenn auch später, weil sie sich noch in ihren Parteibüros getroffen hatten, um Prognosen und erste Hochrechnungen dort aufzunehmen. Auch die Parteispitzen und alle Landtagsabgeordneten waren da. Aber dahinter herrschte dann gähnende Leere. 90 Prozent der Kreistagsabgeordneten glänzten durch Abwesenheit. Wenn überhaupt jemand aufkreuzte, dann war es eine handvoll Viersener Stadtpolitiker mit Bürgermeister Günter Thönnessen an der Spitze. Bemerkenswert, dass mit seiner Vorgängerin Marina Hammes und dem früheren Nettetaler Landtagsabgeordneten Christian Weisbrich stets pflichtbewusste und offensichtlich über die politische Aktivitätsphase hinaus interessierte Bürger ins Forum kamen.

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Manch ein Politiker wird einwenden, dass er reichlich mit Terminen ausgelastet sei und dass er sonntags möglichst keine Termine wahrnehme und dass die Bundestagswahl nicht sein ureigenes Tätigkeitsfeld sei und dass er nicht in Viersen, sondern in Elmpt, Tönisberg oder Schiefbahn wohne. Das gilt nicht. Wahlen sind Hochämter funktionierender Demokratie. Was, bitte schön, sollen Bürger von Politikern halten, die über "Politikverdrossenheit" jammern, sich aber selbst nicht einmal an einem Bundestags-Wahlabend aufraffen können, ins Zentrum politischer Aktivitäten nach Viersen zu fahren, sich den Bürgern verweigern? Wundern sie sich noch über Desinteresse in der Wählerschaft und abnehmende Wahlbeteiligung? Im Mai ist Kommunalwahl. Dann werden etliche, die sich am Sonntag verweigerten, gierig Stimmen aufsaugen. Na, ja.

(lp)