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Nettetal: Es gibt keinen Kompromiss

Nettetal : Es gibt keinen Kompromiss

Die Fronten in der Nettetaler Politik haben sich verhärtet. CDU und FDP setzten ihre Vorstellungen von der Zukunft Nettetaler Schulen mehrheitlich durch. Die vier anderen Fraktionen reagieren darauf verärgert.

Die Hauptschule Lobberich läuft aus, die Gesamtschule wird zum neuen Schuljahr um einen Zug erweitert — inklusive Oberstufe —, und das Schulzentrum in Kaldenkirchen mit Haupt- und Realschule bleibt erhalten. In drei Jahren wird die weitere Entwicklung unter die Lupe genommen. Stabilisieren sich Anmeldezahlen an Haupt- und Realschule, wird möglicherweise die Gesamtschule wieder verkleinert. Das kann dann allerdings auch für die Oberstufe dort der Fall sein.

CDU und FDP fassten diesen Beschluss als Empfehlung für den Rat. Sie wiesen Versuche von SPD, Grünen, ABK und WIN zurück, der Sekundarschule jetzt oder demnächst in der Evaluation eine Chance zu geben. Beide Lager warfen sich daraufhin vor, eine rein ideologische Entscheidung getroffen zu haben. Beide reklamieren für sich, mit ihren Vorschlägen dem Elternwillen zu entsprechen.

CDU und FDP halten sich zugute, mit der Erweiterung der Gesamtschule auf das Wahlverhalten von Eltern in der Stadt angemessen zu reagieren. Denn gleichzeitig wollten sie die "Vielfalt" des Angebots von Schulformen erhalten. Die anderen Fraktionen bezweifeln, dass dieser Beschluss länger als drei Jahre halten wird. Von heute knapp 400 sackt die Zahl der Schüler, die von den Grundschulen aus auf weiterführende Schulen wechseln nach 2015 nämlich auf knapp über 300. Es sei eine Illusion zu glauben, auf dieser Basis das mehrgliedrige Schulsystem und eine Gesamtschule halten zu können, meinte Guido Gahlings (Grüne). Der Vorschlag der Verwaltung sei keinesfalls ein Kompromiss.

Er bezog sich auf Prognosen der Schulplaner von Komplan. Tilman Bieber geht davon aus, dass ab 2018/2019 ein vielfältiges Angebot nicht mehr darstellbar sein wird. Der Stadt gehen schlicht die Kinder aus, die erforderlich sind, um Gymnasium, Gesamtschule, Real- und Hauptschule zu erhalten. Bieber riet der Stadt allerdings, für die kommenden Jahre "auf Sicht" zu fahren. Und das lasse den Entschluss zu, die vorhandenen Schulformen auf Kosten der Hauptschule in Lobberich zu erhalten. Das sei der Grund, warum die Gesamtschule für einen begrenzten Zeitraum erweitert werden könnte.

Die Strategie von CDU und FDP fasste CDU-Sprecher Jürgen Boyxen zusammen: "Wir wollen innerhalb des Systems bleiben, wann eben es geht. Und wir wollen auch nicht den Eindruck erwecken, als stünden Haupt- und Realschule in den kommenden Jahren in einer Bewährung", sagte er. Genau das wollen die anderen Fraktionen nicht. "Wir wollen das mehrgliedrige Schulsystem nicht mehr, sondern die Sekundarschule", unterstrich Christian Schürmann (SPD).

(RP/rl)