Englische Gärten als Sehnsuchtsort

Nettetal : Englische Gärten als Sehnsuchtsort

In der „Blauen Stunde“ in der Stadtbücherei in Breyell wird Gartengestalter Hermann Gröne am 14. November von seiner Gartenreise durch Südengland berichten. Er führt zu klassischen, aber auch modernen Gärten.

Für zwei Euro einmal kurz nach Südengland reisen. Die Blaue Stunde in der Stadtbücherei macht es möglich. Büchereileiter Ulrich Schmitter gelang es, den Gartengestalter und Buchautor Hermann Gröne aus Busch für einen Vortrag mit vielen Fotos von seiner Gartenreise nach Südengland zu gewinnen. Der 57-Jährige, der in Kaldenkirchen aufwuchs, hat viele Gärten in ganz Europa bereist, kehrt aber immer wieder gerne in seine „kleine Enklave“ in Busch zurück. Seinen 2000 Quadratmeter großen Garten dort hat er schon mehrfach im Rahmen der offenen Gartenpforte präsentiert.

 Die faszinierende Reise beginnt in ausgesuchten klassischen Gärten wie Sissinghurst, Manor House oder RHS Garden Wisley. Was ist das Besondere an diesen berühmten historischen Gärten? Hermann Gröne führt als erstes das milde, pflanzenfreundliche Klima in Südengland an. Der Golfstrom sorge auf der Insel für einen längeren Vegetationszeitraum. Von Februar bis November sei er viel länger als hierzulande.

Das ist die eine Seite. Hinzu komme die Geschichte des Empire. Durch die Kolonien auf allen Erdteilen hatten die Briten Zugang zu Exoten. Die Libanon-Zeder wurde für ein Herrenhaus auf dem Lande quasi obligatorisch. Über die Weltmeere entstand ein Pflanzen-Transfer von China bis in den kalten Norden. Das Sammeln seltener Pflanzen in großen Gärten wurde im viktorianischen Zeitalter des 19. Jahrhunderts zum Prestigeobjekt der Upper Class. Und vor der beginnenden Industrialisierung war es auf dem Lande auch einfach, günstig an Personal zu kommen.

Aber der Vortrag von Gröne in der Stadtbücherei ist ja mit „Klassik trifft Moderne“ überschrieben. So führt Gröne auch zu Gärten, die erst 20 bis 30 Jahre alt sind und modernere Strömungen vertreten. Neuere Strömungen sind die Verwendung von Gräsern und Wildstauden mit ihrem natürlichen Charme. Nicht hochgezüchteter Rittersporn, sondern Wildstauden kommen dieser an der Natur orientierten naturalistischen Strömung nahe. Die Idee dabei ist natürlich, solche Anregungen auch im eigenen Garten umzusetzen.

Ein Freund hat Hermann Gröne 2010 zu einer ersten Gartenreise überredet. Neun Jahre lang haben sie gemeinsam Reisen zu den wichtigsten Gärten in Europa angeboten. Es handelte sich immer um Vier-Tage-Reisen zu fünf bis sechs Zielen. Die erste Reise ging nach Südengland, ein klassisches Reiseziel für Gartenfreunde. In Kent und Sussex rund um London findet man die berühmtesten Gärten. Die Reisen führten aber auch in die Normandie oder nach Irland, Italien und die Niederlande (mit Gräsergärten in Friesland). Auch deutsche Gärten wurden besucht. Peter Gartz von Aha-Reisen in Brüggen hat die Reisen organisiert – und setzt sie weiter fort. In viele Gärten kommt man als Einzelreisender nicht so leicht rein.

Dagegen hört Gröne mit den Gartenreisen auf. Er hat in den vergangenen neun Jahren in vielen Privatgärten und Parks fotografiert. Diesen Bilderschatz will er jetzt sichten. Vielleicht entsteht ein neues Buch daraus oder ein neuer Vortrag, Gröne will sich da noch nicht festlegen lassen. Und außerdem ist das ja nur ein Nebenzweig seiner Tätigkeit. Als Gartenbautechniker gehört die Pflanzplanung und -ausführung von Gärten und Grünflächen zu seiner Hauptaufgabe. Zusammen mit einem Mitarbeiter ist er in ganz Nordrhein-Westfalen unterwegs. Auch vor Ort war er tätig, etwa am Generationenspielplatz in Breyell, an den Straßenrändern in Boisheim oder auf drei neuen Beeten in Wegberg. Immer sind dabei Stauden ein Schwerpunkt. Er sei glücklich, einen kleinen Teil dazu beigetragen zu haben, dass das Interesse an Stauden zugenommen habe.

Hermann Gröne lebt seit 25 Jahre in Busch vor Leuth. Seinen Staudengarten dort hat er mehrmals bei der offenen Gartenpforte präsentiert.   Foto: H. Brinkmann. Foto: Heribert Brinkmann

Gegenüber seines eigenen Hauses steht in Busch das Atelierhaus der Künstlerin Barbara Schmitz-Becker. Zusammen mit anderen wurde der Kunstverein Projektraum Busch 8 als Raum für Kommunikation, Künstleraustausch und Ausstellungen gegründet.

Mehr von RP ONLINE