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Nettetal: Ende einer großen Ära

Nettetal : Ende einer großen Ära

Der dänische DSV-Konzern hat den früheren Frans-Maas-Standort in Kaldenkirchen aufgelöst. Das Areal an der Poststraße soll verkauft werden. Hier befand sich früher die Deutschland-Zentrale der Frans Maas Group.

Sang- und klanglos endete im Februar eine Ära in Kaldenkirchen: Der dänische Logistikkonzern DSV hat seine Niederlassung an der Poststraße verlassen. Dort war bis zur Übernahme durch die Dänen im April 2006 über Jahrzehnte der Speditions- und Logistikkonzern Frans Maas angesiedelt.

Unternehmen schweigt sich aus

Dem dänischen Unternehmen ist dieser Schritt keine weitere Erklärung wert. Vergeblich fragte die RP in Neuss, Willich, Venlo und wieder in Neuss nach Gründen. Es gab ein paar vage Auskünfte, aber niemand bezog klar Position. Fest steht nur, dass das Areal verkauft werden soll. Die Büros sind verwaist, ein Teil des großen Lagerkomplexes wird von anderen Spediteuren derzeit genutzt.

Zugeknöpft gab sich das Unternehmen bereits vor zwei Jahren, als die Fachpresse über die bevorstehende Schließung und den Teilabbau von Stellen in Kaldenkirchen berichtete. Als die RP dies aufgriff und nachfragte, gab es keine Auskunft. Mitarbeiter deuteten damals an, sie wüssten kaum etwas über ihre Zukunft, rechneten aber mit der Schließung. Stellen wurden seither abgebaut und auf andere Standorte verteilt. Strategisch sei der Standort ohne jede Bedeutung, hieß es.

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Der stille, ja nahezu heimliche Abschied des Frans-Maas-Nachfolgers beendet ein bedeutendes Stück Wirtschafts- und Sozialgeschichte in Kaldenkirchen. Mehr als 70 Speditionen residierten zeitweilig mit ihren großen und kleinen Büros in der Grenzstadt. Mit ihrem Warenumschlag beschäftigten sie selbst hochqualifizierte Speditionskaufleute. Zoll, Bahn wären ohne ihre Tätigkeiten unbedeutende Grenzposten geblieben. Der Bau der Autobahn ist maßgeblich auf den Warenumschlag Venlo-Kaldenkirchen zurückzuführen. Doch während Venlo seine Bedeutung als Logistikschwerpunkt ausbaute, baute Nettetal ab. RSK, Gerlach, Heinrich und Gebr. Dückers waren neben Frans Maas Unternehmen, die Kaldenkirchen lange prägten.

Das Unternehmen Frans Maas in Kaldenkirchen war auch Deutschland-Zentrale des in Venlo beheimateten Unternehmens. Die Enkel von Firmengründer Frans Maas leiteten die europaweit aktiven Zweige: Frans Ebus in Venlo, Paul Ebus in Nettetal. An den Grenzen wurden Millionenumsätze durch die Warendeklaration für ex- und importierende Unternehmen gemacht. Der Transport mit eigenen Fahrzeugen verlor in dem Maße an Bedeutung, wie Logistik wichtig wurde.

Der Druck des Wettbewerbs

Doch die Öffnung der innereuropäischen Märkte, wachsender Kosten- und Wettbewerbsdruck setzten dem multinationalen Konzern zu. Kurz nach dem Ausscheiden von Konzernchef Henk Benjamin im Jahr 2005 musste sein Nachfolger Arvid Manneke hinnehmen, dass DSV im April 2006 die Frans Maas Group übernahm. DSV verbuchte seinerzeit mit 2,9 Mrd. Euro den dreifachen Umsatz der Frans Maas Group (1,09 Mrd. Euro). Neben Venlo konnte der Standort Nettetal auf Dauer für DSV Road nicht gehalten werden.

(RP)