Elke Langer ist Pfarrerin der evangelischen Kirchengemeinde Lobberich-Hinsbeck

Serie Unsere Pfarrer : „Christentum lebt auch von Vielfalt“

Die Saarländerin Elke Langer ist seit 2015 Pfarrerin der evangelischen Kirchengemeinde Lobberich-Hinsbeck.

Es ist ihre Neugier, die sie von jeher umtreibt. „Ich wollte wissen, ob das im Alltag funktionieren kann, nach dem Evangelium, dem Wort Gottes also, zu leben“, sagt Elke Langer. Aus diesem Grund habe sie Theologie studiert. Und aus der gewonnenen Überzeugung, dass es funktionieren könne, sei sie anschließend Pfarrerin geworden. „Heute motiviert mich die Frage, wie es funktionieren kann, bei mir und in der Gemeinschaft“, sagt Langer. Und zwar auch in ihrer Arbeit als Pfarrerin der evangelischen Kirchengemeinde Lobberich-Hinsbeck.

„Es ist so vieles in Bewegung, in der Kirche, in der Gesellschaft. Da sollte Gott, da sollte der Glaube eigentlich die Konstante sein, die einem Halt gibt“, ist Langer überzeugt. Und schränkt doch gleichzeitig auch wieder ein: „Überall in den Kirchen bröckelt was, selbst in unseren Gemeinden, nicht dramatisch, aber ich spüre das.“ Da ist sie wieder, diese Neugier, die die 57-Jährige fragen und forschen lässt: „Woran liegt das, was kann man dagegen tun?“ Wobei sie sich aber auch nicht beunruhigen lässt. „Die Gemeinde von Lobberich und Hinsbeck ist ja noch immer eine lebendige Gemeinde“, sagt sie.

Lebendig, engagiert, beispielsweise in Sachen Flüchtlingshilfe – so war ihr die Kirchengemeinde von ihrem Vorgänger Mattias Engelke geschildert worden. Die gebürtige Saarländerin wurde, was sonst, neugierig und bewarb sich erfolgreich auf die Pfarrstelle. 2015 wurde sie neue Pfarrerin von Lobberich und Hinsbeck. Und nun, nach knapp vier Jahren, stellt sie fest: „Es war die richtige Entscheidung.“

Seelsorge von früh bis spät, das ist ihr Metier. „Verwaltung ist nicht so meins, manchmal komme ich nicht umhin, aber sonst bin froh, dass wir hier kompetente Mitarbeiter haben.“ Langer schaut aus dem Fenster des Gemeindehauses und winkt freundlich nach draußen, ein Gemeindeglied winkt zurück. Freundlichkeit ist ihr Markenzeichen, Langer lacht viel, kann aber auch sehr ernst sein. Groß ist sie nicht, aber agil und immer für Überraschungen gut, so greift die 57-Jährige in der Konfirmandenstunde auch schon mal zur Gitarre.

Hier im Gebäudekomplex von Kirche und Gemeindehaus ist ihr dienstliches Zuhause: Gottesdienste und Gruppenarbeit, Flüchtlingstreffen im Saal, Gemeindebüro und Sitzungsraum – an der Steegerstraße 39 geht’s oft lebhaft zu.

„Ich setze bei allem auf Dialog“, hatte sie bei ihrer Amtseinführung gesagt, und an diesem Prinzip hält sie fest. „Es kann nicht immer alles rundlaufen, aber man muss über alles offen reden können, sonst funktioniert das Miteinander nicht“, sagt Langer. Dialog müsse auch in der Ökumene sein. „Wir haben ein gutes Miteinander.“

Diesen Status quo schätzt die Theologin. Sie streift ihr langes, graues Haar zurück, schiebt die große Brille zurecht und erklärt, als wolle sie ein Statement abgeben: „Ich bin nicht für eine Gleichmacherei, jede Konfession hat ihre Traditionen und Besonderheiten, die gilt es zu wahren und gegenseitig wertzuschätzen, Christentum lebt auch von Vielfalt.“

Vielfältig ist auch das Gemeindeleben, allerdings nicht ohne Probleme, wie Langer berichtet: „Viele engagieren sich für Projekte, aber jemanden langfristig für eine Sache, etwa für die Mitarbeit im Presbyterium, zu gewinnen, das wird schwieriger.“

Auch die Kirchenbindung scheine nachzulassen – das ist es, was sie mit „bröckeln“ meint. „Es passiert schon mal, dass ich als Seelsorgerin Menschen durch ihr Leben begleite, und dann bin ich überrascht, dass sie sich nach ihrem Tod nicht kirchlich beerdigen lassen.“

Mögliche Gründe erforscht sie im Gespräch mit anderen und in Zwiesprache mit Gott. „Meine Arbeitswoche hat oft 60, 70 Stunden, da bleibt kaum Zeit für Hobbys, also reserviere ich mir regelmäßig Zeit für Stille, Meditation und Gebet“, berichtet die 57-Jährige. Gotteserfahrung in der Stille suchen, Kraft im Beten tanken – das könne ihr neue Motivation geben.

Und was ihr mit dieser Motivation gelinge, wie Gott im Alltag wirke, darauf sei sie jedes Mal wieder, klar, neugierig.

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