Elisabeth Jongmanns leitet das Spielecafé in Kaldenkirchen

Serie Unsere Jugendpfleger : Jugendlichen Alternativen bieten

Elisabeth Jongmanns leitet das Evangelische Jugendfreizeitheim Spielecafé in Kaldenkirchen.

Der Name scheint Programm: „Hier im Spielecafé sind immer wieder junge Leute, die mit Begeisterung Gesellschaftsspiele oder Karten spielen“, erzählt Leiterin Elisabeth Jongmanns. Tatsächlich ist die Kaldenkirchener Einrichtung aber vielmehr als ein Treffpunkt zum Spielen: In dem Jugendfreizeitheim kommen Jungen und Mädchen mit ihren Sorgen und Freuden zusammen, machen mit bei besonderen Aktionen und Projekten. Und mittendrin ist Elli, wie Elisabeth Jongmanns von allen genannt wird.

„Wenn Probleme auftauchen, ob in Schule, Ausbildung oder Zuhause, müssen die jungen Menschen jemanden haben, dem sie sich anvertrauen, dem sie vertrauen können“, umschreibt Jongmanns ihre Position. In solchen Fällen seien sie und ihre Kollegin Angelika Witte als Pädagogen gefragt.

Seit 1991 ist die 59-Jährige dabei. Manches hat sich laut Jongmanns im Laufe der Jahre geändert, anderes ist gleich geblieben: „Kicker oder Billard sind nach wie vor gefragt, aber sonst sieht die Freizeitgestaltung junger Leute heute doch anders aus als in den 1990er Jahren.“ Es gibt weniger Kindergruppen, weil durch die Offenen Ganztagsschulen (OGS) Mädchen und Jungen „nachmittags weniger freie Zeit“ haben. Dafür wird mehr Projektarbeit angeboten, kreative wie sportliche Angebote: „Da ist die Nachfrage nach wie vor groß.“

Mehr als 20 Heranwachsende zwischen 13 und 18 Jahren kommen täglich die Woche über ins Spielecafé, dazu die Teilnehmer an den besonderen Angeboten. Jongmanns kennt sie alle, weiß, was sie bedrückt, weiß, wie sie fördern kann. „Hier sind sie wenigstens in Gemeinschaft und nicht allein, wenn sie auf ihren Smartphones spielen“, sagt Jongmanns und wird konkret: „Wir haben auch mit Suchtproblemen junger Menschen zu tun, ob es um Videospiele am Computer und Smartphone geht oder um Drogen.“ So sehr sie manches Schicksal berühre, so sehr müsse sie professionell agieren, sprich: „Aufklären, auch über Gefahren im Internet, vorbeugen und helfen in Sachen Süchte.“ Regelmäßige Fortbildungen, Austausch unter den Nettetaler Jugendpflegern und Ausbau der Elternarbeit seien da unumgänglich.

„Wir versuchen, den Jugendlichen Alternativen zu bieten, auch Herausforderungen“, erklärt Jongmanns und nennt als Beispiele „Wanderungen in der Natur, bei denen man an seine Grenzen gehen muss“ oder Kreativ-Workshops. So gestalteten Jugendliche mit Begeisterung ein Nettetal-Graffiti vor dem Spielecafé, und auch bei Musical-Projekten, die zusammen mit der Gemeinschaftsgrundschule Kaldenkirchen aufgezogen werden, sind viele mit Eifer dabei. So ein öffentlicher Auftritt ist nicht zu unterschätzen. Jongmanns: „Wenn ein junger Mensch, der vielleicht sonst gar nicht selbstbewusst ist, auf der Bühne steht und Beifall bekommt, das vergisst er nicht.“ Manche freuten sich auch über kleine Aufgaben, etwa beim Gemeindefest mithelfen: „Dass man ihnen etwa zutraut, das sind einige gar nicht gewohnt, vielleicht nicht mal vom Elternhaus.“

Beim Gemeindefest wird zwar deutlich, dass der Träger des Spielecafés die evangelische Kirchengemeinde sei, aber das Jugendheim sei offen für alle, „ganz egal welcher Herkunft, welcher Religion, der liebe Gott hat alle lieb“, hebt Jongmanns hervor. Sonst so redelustig, schweigt sie einen Augenblick, sagt dann ernst: „Diese Sozialarbeit mit jungen Menschen hier sehe ich persönlich durchaus als christliche Aufgabe.“

Ihre Freizeit gestaltet Jongmanns aktiv: „Ich bin ja der sportliche Typ“, verrät sie. Joggen und Triathlon zählt sie als ihre Aktivitäten auf – neben Geselligkeit mit der Familie und mit Freunden. Die Arbeit im Jugendheim macht ihr immer noch Freude.