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Nettetal: Ekel-Bahnhof Kaldenkirchen

Nettetal : Ekel-Bahnhof Kaldenkirchen

Appelle, Workshops und Versprechungen haben nichts geändert. Der Bahnhof Kaldenkirchen ist weiterhin ein Dreckloch. Reisende empören sich über die Bahn und den VRR, die tatenlos der Verwahrlosung zuschauen.

Ihn habe bei seiner Ankunft im Bahnhof Kaldenkirchen beinahe der Schlag getroffen, bekennt Axel Witzke. Der Kaldenkirchener ist CDU-Ratsherr und hat ein großes Interesse an der Eisenbahn. Gerade deswegen ließ er sich im Frühjahr dazu überreden, die Aufgaben eines "Bahnhofspaten" zu übernehmen. Er wusste, dass er eine undankbare Aufgabe übernimmt. Aber die Dimension sprengt jede Vorstellungskraft.

Der Ekel-Bahnhof Kaldenkirchen macht mittlerweile bundesweit die Runde. In Internetforen, bei Twitter und auch in Beschwerdebriefen empören sich Bahnreisende ebenso wie Pendler oder Ausflügler, in welchem Dreckloch sie landen. Der Deutschen Bahn ist der Zustand sattsam bekannt, es gab Krisensitzungen und sogar einen Workshop mit der Stadt und vielen Bürgern — aber es bewegt sich nichts.

Reisende müssen aufpassen, dass sie nicht auf Exkrementen ausrutschen, die Unbekannte auf den Stufen der Tunnel zu den Gleisen hinterlassen. Es riecht ständig nach Urin, Mauern bröckeln, im Umfeld der Bahnsteige und in der Zufahrt wächst Wildkraut, als habe die Bahn einen ökologisch einwandfreien Kräutergarten angelegt. Hin und wieder sieht man Spuren des Versuchs, etwas Sauberkeit zu vermitteln: Plastiksäcke hängen in den Abfallbehältern, die schnell entsorgt werden können. Aber neben der Bushaltestelle am Vorplatz sieht es aus, als habe eine Horde von Säufern gerade eine Party abgehalten.

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Wer zu Fuß zum Bahnhof geht, muss sich durch Gestrüpp, Ranken und über nahezu zugewachsene Gehwege kämpfen. Riesige Löcher bilden Fallen für jeden, der nicht ständig auf die Füße schaut. Das gesamte Umfeld wirkt verwahrlost, verlottert und ist eine erbärmliche Visitenkarte für die Deutsche Bahn.

Bahnfahrer Witzke steht mit seinem Empfinden, dass "hier inzwischen so gut wie alles im Argen liegt", nicht allein. Der Kaldenkirchener Hans-Jochem Glöckler ist ebenfalls über Fäkalienhaufen gestolpert, auch er klagt über den Schmutz und Glasscherben auf allen Wegen. "Ich frage mich, ob ich als Kunde des VRR keine Rechte habe", so Göckler. Man müsse sich "einfach nur schämen", wie Verkehrsbertiebe mit ihren Kunden umgingen. Bekanntlich stufte der Verkehrsverbund ausgerechnet den Bahnhof Kaldenkirchen vor einiger Zeit als "in Ordnung ein" — und handelte sich Proteste von Kunden und aus der Politik ein.

Bahnhofspate Witzke hat dringenden Gesprächsbedarf bei allen Beteiligten, von der Stadt bis zur Deutschen Bahn, angemeldet. Man möge ihm doch, bitteschön, einmal sein Aufgabenfeld konkret umreißen. Fäkalien wolle er jedenfalls ebenso wenig wegräumen wie von aufgebrachten Reisenden "angemacht" werden.

(RP)