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Einpersonenstück „The Kraut“ über Marlene Dietrich in Nettetal aufgeführt

Theater in Nettetal : Reise auf den Spuren der Dietrich

Elke Bludau gastierte in der Rolle der Diva Marlene Dietrich in der Stadtbücherei.

Zu Beginn umriss Ulrich Schmitter das Szenarium: 1944 haben die Nazis Paris verlassen, und die Amerikaner rücken nach. Marlene Dietrich hofft auf ein schönes Hotel, muss aber zur Entlausung. Der Vorsitzende des Vereins der Nettetaler Literaturtage zählte in der eindeutig weiblich dominierten Besucherschar der Stadtbücherei zu den wenigen Männern, die sich am Weltfrauentag das Einpersonenstück „The Kraut“ ansahen. Eingeladen hatten der Verein Nettetaler Literaturtage und die Gleichstellungsbeauftragte.

Schauspielerin Elke Bludau mimte die Diva, die sich an die Zeit erinnert, als sie mit Ernest Hemingway in der US-Armee gegen die Nazis kämpfte. Der Autor nannte sie wegen ihrer deutschen Herkunft „Kraut“ und sie ihn „Papa“. An seiner Stelle erlebte nun das Publikum den Rückblick über Monologe und Chansons der Künstlerin. Auf ihrem Weg vorbei an den Zuschauerreihen betonte Bludau die Nähe. Sie spielte ihren Part mit einer berührenden Mischung aus Melancholie, Traurigkeit, schwarzgründiger Ironie und Boshaftigkeit. In ihre Interpretation der bekannten Lieder legte sie eine behutsame Zärtlichkeit, sanfte Tristesse oder auch rebellische Note. Zuweilen schien es, als wollten sich die vertrauten Chansons in retardierend versonnenen Momenten in der Erinnerung verflüchtigen.

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Die Darstellerin fing behutsam den Schmerz über das zerstörerische Werk des Krieges ein. Es sei so viel leichter alleine zu lachen als zu weinen, ließ Bludau ihre Heldin in einer wehmütigen Lust an Widersprüchen sagen. Eine traurige Heiterkeit lag im inszenierten Gedankenspiel über die eigene Beerdigung.

Bedrückend atmosphärisch umriss die Schauspielerin das Bild der jungen Soldaten, die dem Tod so erschreckend nahe sind. In der typischen Pose und mit rauchiger Stimme erinnerte sie an Marlene Dietrichs große Rolle in dem Film „Der blaue Engel“. Dezent band sie amüsante Momente ein, etwa in der überzogenen Gebärdensprache, wie sie für den Stummfilm so charakteristisch war. Nach dem herzlichen Schlussapplaus sang Bludau noch einmal das traurige Lied der Lili Marleen.