Nettetal: Eine logistische Meisterleistung

Nettetal: Eine logistische Meisterleistung

Der Wettflug war eine ungeheure logistische Leistung. Denn nicht nur die anfangs 40 gestarteten Maschinen und ihre Piloten waren unterwegs. Am Boden fuhr ein Zug mit 37 Güterwaggons und einigen Personenwagen, in denen die Mechaniker untergebracht waren.

Ihnen stand auch ein Speisewagen zur Verfügung. In den Güterwaggons befanden sich Ersatzteile und Werkzeug im Gesamtwert von etwa 50 000 Gulden. Es gelang den Organisatoren sogar, Mechaniker unterwegs zu Plätzen zu dirigieren, an denen Maschinen aus technischen Gründen notgelandet waren.

Nach und nach landeten die Piloten jetzt auf der Heide bei Venlo. Die Maschinen wurden gewartet, die Flieger erholten sich, manche plauderten mit offiziellen Gästen, dann ging es weiter. Der Franzose Duval, der mehrfach technische Pannen gehabt hatte, gab den Flug auf. Seine Maschine gab er als Schauobjekt in einem Cateringzelt zur Besichtigung frei.

Pilot raucht Pfeife

Der Jubel war groß, als auch der Niederländer Wijnmalen am späten Nachmittag in Venlo landete. Die Hymne "Wien nederlands Bloed" erklang aus tausenden Kehlen. Wijnmalen schmauchte sich mit Genuss eine Pfeife, erläuterte die technischen Probleme seines Motors und stieg gegen 6.35 Uhr auf zum Flug in Richtung Soesterberg.

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Das Preisgeld in Höhe von 6000 Gulden für den Etappensieg Lüttich-Soesterberg erhielt der Franzose Gilbert. Er war der Schnellste an diesem Tag gewesen. Wijnmalen erhielt als Zehnter immerhin noch 450 Gulden, dazu gab es für ihn 5000 Gulden, weil er erster Niederländer in Venlo geworden war. In der Gesamtwertung war er allerdings Letzter.

In Venlo waren die Menschen unterdessen mächtig stolz. Das neue Fortbewegungsmittel — 1903 hatten die Brüder Wright erstmals überhaupt ein Flugzeug in die Luft gebracht — erschien der Stadt als eine große Chance. Mancher Kaufmann träumte damals davon, die Heide als Fluggelände herzurichten und so die schnelle Verbindung innerhalb Europas herzustellen. Auf der Heide wurde in den folgenden Jahren immer wieder geflogen. Ab 1913 wurde sie offizielles militärisches Übungsgebiet für die Luftfahrt der Niederlande. Allerdings blieb der Heide immer nur die Aufgabe, als Notlande- oder Ausweichplatz zu fungieren.

Ein Großereignis brachte der November 1930: Das Luftschiff Graf Zeppelin schwebte über der Grote Heide, um Postsäcke aufzunehmen und abzugeben. Es war ein Demonstrationsflug. Zehn Jahre später überfiel Deutschland die Niederlande. Die Heide und das Grenzgebiet in Herongen und Leuth wurde ein Kriegsflugplatz, der tausende Opfer forderte.

Den Europäischen Rundflug gewann Francis Beaumont. Nur vier Piloten schafften es überhaupt bis ins Ziel.

(RP)
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