Nettetal: Eine Künstlerin, die zum Kunstwerk wird

Nettetal : Eine Künstlerin, die zum Kunstwerk wird

Die Kaldenkirchenerin Nicole Terstappen (53) macht die alte Fabrik regelmäßig zum Kultur-Treffpunkt

Sie schaut, staunt und lächelt: "Das ist irritierend und faszinierend zugleich, sich als Teil eines Kunstwerks zu sehen", sagt Nicole Terstappen (53). Der Künstler Raffaele Hoffmann hat ihr Konterfei in einer Leinwand-Installation verarbeitet, zeigt damit eine Künstlerin als Kunstmotiv: Die Kaldenkirchenerin malt und fotografiert, organisiert Ausstellungen, und führt eine Zeichen- und Malschule für Kinder.

Vor allem für die Kleinen schlägt ihr künstlerisches Herz: "Mit ihnen zu arbeiten, macht einfach Spaß. Kinder sind noch unverkrampft, entfalten beim Malen eine ungeheure Kreativität", erzählt Terstappen. Für verschiedene Altersgruppen ab fünf Jahren bietet sie Zeichen- und Malkurse an: "Mir ist wichtig, dass jeder mitmachen kann, wir haben auch Kinder mit Handicap dabei, etwa mit motorischen oder emotionalen Einschränkungen." Kleine Künstler, die noch nicht so gut Deutsch sprechen, sind bei ihr ebenfalls gut aufgehoben: Terstappen spricht sechs Sprachen, war viel im Ausland unterwegs - was sie geprägt hat: "In Griechenland habe ich Motive verarbeitet, an denen die Zeit geknabbert hat." Gesichter, verwitterte Türen, alte Boote mit abgeblätterten Lackschichten hielt sie auf Fotos und Bildern fest.

Zu sehen waren solche Kunstwerke oft auf Ausstellungen in einem historischen Gebäude - in der Alten Fabrik an der Venloer Straße. Aus gutem Grund. Der Name Terstappen steht für ein Stück Kaldenkirchener Industriegeschichte: Das rote Backsteingebäude war einst Produktionsstätte für Matratzen und Polster der Firma Terstappen. Seit 1995 organisierte Nicole Terstappen ein bis zwei Mal jährlich in der leer stehenden Fabrik ihrer Familie große Ausstellungen mit Werken namhafter Künstler, dazu Workshops, Kunst-Partys und Aktionen für Kinder. Dieses Projekt, so lobte Bürgermeister Christian Wagner (CDU), "sucht im Bereich Kunst in Nettetal seinesgleichen".

Die Idee, aus der Alten Fabrik ein privates Kulturzentrum zu machen, muss noch reifen. Umbauten für den Brandschutz wären dazu notwendig. So belebte sie zwischenzeitlich eben ein anderes altes Kaldenkirchener Bauwerk: Mit ihrem Künstlerkollegen Holger Seeling restaurierte sie das beliebte riesige Bild des Seemanns an der Fassade der historischen Englischen Post.

(jobu)
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