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Nettetal: Eine Branche entdeckt die Altkleider

Nettetal : Eine Branche entdeckt die Altkleider

Ein gewerbliches Unternehmen will in Nettetal flächendeckend Altkleider-Container aufstellen. Die Stadt ist darüber keinesfalls begeistert und sucht nach Gegenargumenten. Der Malteser Hilfsdienst hat auch einen Antrag eingereicht.

Das Geschäft mit Altkleidern ruft mehr und mehr gewerbliche Unternehmen auf den Plan. Die Stadt Nettetal beschäftigt sich zurzeit mit der Absicht einer Firma, dort im großen Rahmen Sammelcontainer aufzustellen. Die einen sprechen von 50, andere gar von hundert Standorten. Die Stadt ist davon nicht begeistert, alarmiert reagieren karitative Verbände, die über Altkleidersammlungen wichtige Erlöse erzielen.

Die gewerbliche Altkleidersammlung ist in Nettetal seit Jahren ein leidiges Thema. Der Stadt gefällt weder, dass Container irgendwo aufgebaut werden noch dass die Plastikwannen mit dem abgeschnittenen Henkel verteilt werden. "Bisher haben wir auf dem Gebiet nur Wildwest", räumt Norbert Müller, Leiter des Dezernats für Recht und Finanzwirtschaft, ein. Rechtlich bewege sich die Stadt mit Einschränkungen allerdings auf dünnem Eis. "Wir können uns auf das Straßenrecht berufen, aber das ist keine sonderlich scharfe Waffe. Da geht es dann in erster Linie um Verkehrsbehinderung", sagt er.

Die Stadt hat in der Vergangenheit aber immer wieder einmal Container, die auf öffentlichen Flächen standen, eingesammelt und nach einer bestimmten Frist entsorgt, wenn die Betreiber sich nicht meldeten. Müller kündigte an, das Nettetal bestrebt ist, eine Regelung zu treffen, die aber politisch beraten und entschieden werden soll. Ähnlich wie Viersen, denkt die Stadtverwaltung auch darüber nach, ob es sinnvoll sein könnte, ein eigenes Sammelsystem mit Altkleidersäcken aufzubauen. Das allerdings werde die karitativen Einrichtungen auf den Plan rufen, die auf Einnahmen ihrer Altkleidersammlungen angewiesen sind.

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Dies bestätigt Willi Pollmanns, Stadtbeauftragter des Malteser Hilfsdienstes (MHD). Altkleidercontainer des MHD sind auf sechs Standorte in Hinsbeck, Lobberich und Breyell verteilt. "Ich hoffe sehr, dass die Politik mit uns redet, ehe sie Entscheidungen trifft", sagt Pollmanns. Die Haus- und Straßensammlung früherer Jahre hatte der MHD aufgegeben und durch die Container ersetzt. Im Augenblick sind die Preise für Altkleider gestiegen, das erklärt auch, dass Firmen sich vermehrt für dieses Segment interessieren.

In Nettetal steht auch ein Antrag der FDP-Fraktion auf der Tagesordnung, alle Papiercontainer abzubauen, weil das Umfeld der Wertstoffstationen zunehmend vermüllt wird. "Es hätte wenig Sinn, die Papiercontainer wegzunehmen und dafür dann Altkleidercontainer aufzubauen", sagt Norbert Müller. Deren Umfeld werde nämlich auch immer wieder genutzt, um anderen Unrat loszuwerden. Pollmanns bestätigt das. "Wir räumen ständig auf, weil wir das auch nicht wollen."

Die Malteser haben, um ihre Ansprüche zu unterstreichen, auch der Stadt angezeigt, dass sie mehr Altkleidercontainer aufstellen wollen. "Wir sind daran interessiert und weisen darauf hin, dass wir eine örtliche Hilfsorganisation sind. Altkleider lassen wir sortieren. Gut erhaltene Kleidung geben wir in die Kleiderkammer, der Rest geht zur Verwertung weg."

Wie begehrt Altkleider sein können, erfuhr Pollmanns, als die Einwurfklappen größer waren. Als der MHD-Wagen vorfuhr, rannten Leute weg. Im Container blieb ein Kind zurück, das nicht mehr rechtzeitig fliehen konnte. Es pflückte Säcke auseinander, aus dem sich die Familie bedienen wollte.

(RP)