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Nettetal: Ein Tag Sommer am See

Nettetal : Ein Tag Sommer am See

Ausnahmezustand am Windmühlenbruch: Weil gestern für einen Tag der Hochsommer ausbrach, zogen Kinder und Familien reihenweise in das Lobbericher Erholungsgebiet. Doch damit ist es heute schon wieder vorbei.

Mit hängender Zunge schleppt sich Mischlingshündin Lina aus dem Wasser. Sie legt sich ins Gras am Ufer des Windmühlenbruchs, aber in den Schatten. Neben das Schild: "Betreten der Eisfläche verboten." Die Grashalme in der Sonne sind heiß wie glühende Kohlen. Auf dem kleinen Stück Wiese haben Tim (11), Tatjana (9), Marie (9) und Michelle (11) mit ihren Müttern Decken und Handtücher ausgebreitet.

"Endlich Sommer", ächzt Tim, der die Ferien bislang vornehmlich mit seiner Eisenbahn im Kinderzimmer verbracht hat, während draußen fast schon der Herbst begann. Jetzt aber zieht er sich die Schwimmbrille an, läuft ein paar Schritte ins Wasser und lässt sich ins Seewasser fallen. In der benachbarten katholischen Grundschule Lobberich stehen die Stühle auf den Tischen. Ein angenehmer Ferientag.

Der nächste Regen naht

Der Sommer war bislang eine einzige Fehlzündung. Aber an diesem Dienstag ist alles anders: In Nettetal sind es 27 Grad, der erste Hochsommertag in den Ferien. Und nach Auskunft der Meteorologen wohl auch vorerst der letzte. Heute soll es Gewitter geben, am Donnerstag noch einmal Sonnenschein, aber am Wochenende wieder Regen und höchstens 21 Grad. Den Besuchern am See dämmert es: Möglich, dass der richtige Sommer diesmal nur 24 Stunden dauert.

Also machen es sich diejenigen, die frei haben, am Dienstag am Ostufer des Windmühlenbruchs gemütlich und lassen sich von der Sonne braten. Fast jede freie Stelle am Seeufer ist belegt. Kinder, Väter und Hunde planschen kurz durchs Wasser. Und ein paar Meter weiter am Spielplatz klettern Kinder in nassen Badeshorts durch die Apfelbäume, grapschen halbreifes Obst von den Ästen. Léon (7) will nicht klettern, er schießt stattdessen die Früchte mit herabgefallenen Äpfeln ab — Kompott direkt vom Baum.

Der Spielplatz am Windmühlenbruch ist schon am frühen Nachmittag gut belegt. Dutzende Kinder toben durch den Sand. "Je voller, desto besser ist so ein Spielplatz", sagt Anja Orlinska (29), die sich außerdem über das deutsche Wetter beklagt: "In Polen ist in diesem Jahr ein viel besserer Sommer." Ins Wasser gehen will sie aber nicht: "Zu viele Wasserpflanzen." Am späten Nachmittag wird es dann noch so richtig voll am Ostufer des Windmühlenbruchs. Feierabendverkehr im Erholungsgebiet. Ein paar Stunden Sommer abgreifen vor den nächsten Gewitterwolken.

Für die einjährige Lia Sophie war es der erste Besuch im Sand des Spielplatzes. Für sie geht der Sommer im Sandkasten aber auch bei Regen weiter. Mutter Lilia Krapohl (25): "Da kann man viel besser matschen, und ich muss das Wasser nicht aus dem See holen."

(RP)