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Nettetal: Ein paar Hundert Euro für Schilderwald

Nettetal : Ein paar Hundert Euro für Schilderwald

Der Naturschutzbund ist wütend über die Gebühren, die die Stadt für ihre Straßenschilder kassiert. Die Saisoneröffnung auf dem Naturschutzhof in Sassenfeld wurde teuer, war aber kein Vergnügen. Das Interesse an der Natur wächst.

Trotz des fast unerwartet sonnigen Frühlingswetters lag über der Saison-Eröffnung des Naturschutzhofes in Sassenfeld ein Schatten. Heinz Tüffers, Nettetals Ortsvorsitzender des Naturschutzbundes, der den Hof betreibt, kritisierte die Stadt heftig. "Die Stadt Nettetal wirbt gerne mit dem Naturschutzhof als Highlight, und dann verlangt sie von uns derart hohe Gebühren", sagte er wütend.

Wie schon zur Pflanzenbörse vor kurzem wurde zur Saison-Eröffnung am Maifeiertag eine Einbahnstraßenregelung für die Straße Sassenfeld eingerichtet. "Dafür wurden wir kräftig zur Kasse gebeten. Es wurden 22 Schilder aufgestellt. Wir mussten jedes Schild mit 20 Euro bezahlen, selbst abholen und aufstellen. Hinzu kamen 40 Euro für einen Antrag. Das ist eine große Sauerei", schimpfte er. "Wir überlegen bereits, ob wir künftig solche Veranstaltungen überhaupt noch ausrichten", kündigte Tüffers an. "Wir nehmen hier keinen Eintritt, die Aussteller bezahlen kein Standgeld. Das ist eine bodenlose Frechheit, mit unserer im Wesentlichen ehrenamtlich und weitgehend unentgeltlich betriebenen Einrichtung ohne eigenes Dazutun groß zu werben und uns dann zusätzlich das Geld aus der Tasche zu ziehen."

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Tüffers, der mit Heinz Maibaum und anderen die Einrichtung vor Jahrzehnten gegründet hatte, hielt mit seiner Kritik gegenüber den Besuchern nicht hinter dem Berg — und erntete sehr viel Zustimmung. Kopfschüttelnd ging so mancher über das Gelände, auch untereinander sprachen Besucher häufig dieses Thema an.

Die naturverbundenen Gäste kamen wieder in Heerscharen, auch von weiter entfernten Orten. Der Hof und sein vielfältiges Angebot genießen einen besonderen Stellenwert. Man nimmt viele Anregungen mit und lässt sich gern von den Naturschützern beraten. Barbara Schraub aus Lobberich fand gar nicht genügend Worte des Lobes. "Der selbst gepresste Apfelsaft heimischer Streuobstwiesen schmeckt superlecker. Das Roggenbrot mit selbst gemachter Bärlauchbutter sogar furchtbar lecker", sagte sie lächelnd über diese Wortsteigerung.

Rolf Kondryn aus Schaephuysen war überwältigt von der Beratung des Ameisenexperten Heinz van den Brock aus Willich. "Es ist ja alles faszinierend mit den bedrohten Helfern des Waldes. Aber was macht man mit Ameisen, die ins Haus krabbeln und die man nicht mehr loswird?", fragt er den Experten. Van den Brock wusste Rat. Bei den normalen "Wegeameisen" müsse die Duftspur "verstänkert" werden, erklärt er. Er nannte Kondryn auch gleich ein gefahrloses und ungiftiges Präparat.

Eine Menschentraube umringte Korbflechter Paul Abels aus Arsbeck. "Ich bin ausgebildeter Opa für Enkelkinder", lachte er. Tatsächlich zog er vor allem die Kinder in seinen Bann. Geduldig erklärt er den kleinen aber auch großen Besuchern sein Handwerk des Korbflechtens. Bei Monika Höterkes aus Brempt konnten die Gäste wiederum verschiedene Chutneys kosten. "Sie alle sind selbst hergestellt", betonte sie, während sie bereitwillig Kostproben lieferte.

Um Robin Aufenanger scharten sich ebenfalls viele Kinder. Der freiwillige Helfer der Nabu-Jugend betreute das "Hasen-Rennen" oder "Lass Schnappi Ringe schnappen" — unterhaltsame Glücksspiele für Kinder. Ihre Eltern hatten unterdessen die Möglichkeit, sich in aller Ruhe über eine Wandgestaltung mit Lehm zu informieren. An der "Anna" am Malteser-Stand übten Leute Reanimation, und es gab eine ganze Reihe von Ausstellern, die Pflanzen, Kräuter und Selbstgenähtes anboten. Die Besucher fuhren oder gingen schließlich vergnügt nach Hause — bis auf Heinz Tüffers, der mit der Stadt noch ein "Hühnchen" zu rupfen hat.

(ivb)