1. NRW
  2. Städte
  3. Nettetal

Nettetal: Ein Kaldenkirchener in Belfast

Nettetal : Ein Kaldenkirchener in Belfast

Christian Bouscheljong steckt mitten in seinem Praktikum in der Hauptstadt Nordirlands. Der 19-jährige angehende Industriekaufmann verbringt dort sieben Wochen seiner Ausbildung – und hat direkt sein Englisch verbessert.

Wie das eben so ist, wenn man als 19-Jähriger zum ersten Mal für mehrere Wochen im Ausland ist – es gibt da gewisse Hemmungen. Kann ich mich in der fremden Sprache verständigen? Wie finde ich Kontakt zu anderen Leuten? Wie organisiere ich meinen Haushalt, nachdem ich in den vergangenen Jahren immer bei meinen Eltern gelebt habe? Auch Christian Bouscheljong hat sich diese Fragen gestellt. Der Auszubildende zum Industriekaufmann hat nach dem Start in sein siebenwöchiges Praktikum in Belfast aber gemerkt, dass er sich umsonst gesorgt hatte. "Ich komme sehr gut klar", sagt der Nettetaler.

Noch bis Mitte September arbeitet Bouscheljong in der nordirischen Filiale der Hi-Fi-Firma Denon, die in Kaldenkirchen sein Ausbildungsbetrieb ist. Bei einem Vortrag am Rhein-Maas-Berufskolleg berichtete sein Lehrer Erwin Bauschmann von der Möglichkeit, einige Wochen der dreijährigen Ausbildung in einem anderen Land zu verbringen. "Ich fand das direkt gut und habe in meinem Betrieb gefragt, ob ich das machen darf", sagt Bouscheljong.

Der Betrieb sagte ja. "Für einen Auszubildenden ist das eine einmalige Chance", meint Personalchef Job van Merendonk. "Er sieht, wie die Kollegen in anderen Ländern arbeiten und wie wir mit ihnen verknüpft sind." Zudem hat sein Unternehmen bei diesem Projekt keine zusätzlichen Kosten. Im Leonardo-da-Vinci-Programm übernimmt die Europäische Union die zusätzlichen Kosten. "Ziel der EU ist es, zwei Prozent eines Ausbildungsjahrgangs ins Ausland zu schicken", sagt Bauschmann. "Von dieser Marke sind wir in Deutschland aber meilenweit entfernt."

Dabei sind die Vorteile für die Lehrlinge eindeutig – wie auch Christian Bouscheljong seit einigen Wochen merkt. "In der Schule war ich in Englisch nicht so gut", gibt er zu. Mit seinen Arbeitskollegen in Belfast verständigt er sich mittlerweile ohne Probleme.

Zudem betreut er den englischsprachigen Facebook-Auftritt und schreibt Neuigkeiten auf die Internetseite. "Zu Beginn war ich in der Marketing-Abteilung, werde aber noch im Kundenservice und der Buchhaltung arbeiten", sagt er. Es sind Bereiche, die er auch in Kaldenkirchen bereits durchlaufen hat oder noch wird.

Im Gegensatz zur Heimat ist in Belfast alles eine Nummer größer. "Es ist eine große Stadt, die ich sehr cool finde", sagt Bouscheljong. Seine Vermieterin, bei der er am Stadtrand eine kleine Wohnung bezogen hat, gab ihm Tipps, was er alles unternehmen kann. "Natürlich gehe ich abends in die Stadt und merke sofort, wie offen und freundlich alle sind", sagt er. "Aber ich bin ja nicht hier, um feiern zu gehen – sondern um zu erfahren, wie es ist, im Ausland zu arbeiten."

(RP)